Brief an meinen Erstgeborenen – wenn plötzlich alles anders wird.

Mein kleiner Samuel, mein Babylöwe.

Bald bist du schon zwei Jahre alt und bald bist du großer Bruder. Naja, eigentlich bist du das schon längst, denn wir ließen im Mai 2016 unser Sternchen gehen und in dieser Schwangerschaft vom Avocado-Baby hast du schon so viel erlebt und Mami geholfen, dass du eigentlich schon jetzt ein großer Bruder bist. Nun sind es nur noch wenige Tage bis unser Baby hier ist. Das Baby, auf das du so lange mit uns gewartet hast. Ich gebe zu, ich bin in den letzten Tagen ein bisschen wehmütig – mich packt immer wieder diese Mischung aus Vorfreude und Trauer. Vorfreude auf die kommende, aufregende Zeit und Traurigkeit, von etwas ganz besonderem Abschied zu nehmen: unserer dreiköpfigen Familie. Denn bald sind wir zu viert hier in unserer kleinen Kölner Wohnung und so vieles wird sich ändern. So vieles, dass ich ich selbst wahrscheinlich überrascht sein werde – und vieles wirst du vielleicht noch nicht verstehen.

Ich weiß, dass du noch klein bist und im Herzen rein und unschuldig. Ich weiß, dass du eine große Umstellung vor dir hast und auch du erst deine Rolle neu finden musst, wenn unser Baby geboren ist. Dafür möchten wir dir alle Zeit der Welt geben, dir die Hand reichen und dich unterstützen. Wir möchten für dich da sein, mein kleiner Minimann.
Ich weiß, es wird sicher nicht immer leicht für dich sein. Manchmal werden Mami und Papi dir ungerecht vorkommen, weil wir uns erst um das neue Baby kümmern müssen oder vielleicht auch aus einem anderen Grund. Mami und Papi bemühen sich, dir immer alles genau zu erklären und die Dinge gemeinsam mit dir zu erledigen, damit du dich nicht allein fühlst. Das werden wir auch in Zukunft tun und dich mit einbeziehen. Du sollst immer wissen, dass dir dein Platz nicht streitig gemacht wird, sondern dass es nun noch einen weiteren Platz in unserem Herzen gibt.

Es sind nur noch wenige Tage, dann bist du nicht mehr der Kleine. Nein, dann bist du der Große. Mit deinen noch nicht ganz zwei Jahren bist du dann schon großer Bruder. Ein bisschen sträube ich mich dagegen, dich meinen Großen zu nennen, denn du bist noch so klein. Ich weiß, es wird nicht leicht für dich immer alles zu verstehen, du bist eben selbst noch ein Kleinkind. Eigentlich bist du selbst noch so klein, dass du Mami und Papi ständig um dich brauchst und es ist fast ein bisschen ungerecht, dass du uns schon so früh teilen musst. Und trotzdem, du hast in den letzten Wochen so viel dazu gelernt. Du spielst, sprichst, erzählst uns auf deine eigene Art von deinem Tag und du verstehst so viel mehr, als ich manchmal glauben kann. Und du bist so verdammt ungeduldig. Wann das Baby kommt – das möchtest du jeden Morgen als erstes wissen. Dann sitzt du da, in unserem großen Bett, ziehst die Decke weg und schaust mich mit fragenden Augen an Baby raus?, fragst du uns dann. Ja, mein Samuel, bald schon ist das Baby da.

Und ganz bestimmt wirst du dann auch mal gefrustet sein, wütend, traurig und es wird dir schwer fallen, deine Gefühle in Worte zu fassen, denn du kannst ja noch gar nicht so gut sprechen. Aber Mami verspricht dir, dass wir dir immer zuhören werden, wir ein offenes Ohr für deine Sorgen haben und gemeinsam versuchen, einen guten Weg zu finden. Und weißt du, später wird immer jemand an deiner Seite sein, mit dem du Geheimnisse teilen kannst, mit dem du spielen kannst und mit dem du etwas aushecken kannst – glaub mir, das ist gar nicht so schlecht!

Mein kleiner Samuel, ich bin mir sicher, dass du mit unserer Hilfe die neue Situation toll meistern wirst. Ich bin mir sicher, du wirst ein wunderbarer großer Bruder sein und dich toll entwickeln.
Aber weißt du, eine Sache, die kann dir keiner nehmen. Eine Sache wird immer nur dir gehören und das war die Zeit mit Mami und Papi ganz allein für dich. Die Zeit ohne Geschwisterkind und mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Das war zum Beispiel unsere gemeinsame Reise nach Thailand, in der wir zwei Monate nur für uns drei hatten und jeden Tag mit dir in vollen Zügen genossen haben.

Ja, das habe ich mir auch jetzt vorgenommen. Ich genieße die letzten Tage der Schwangerschaft und verbringe sie nochmal ganz intensiv mit Kuscheleinheiten mit dir – denn diese Zeit jetzt, die kommt nie mehr zurück. Ich nehme dich also in den Arm, ich küsse dich und streichle dich und am liebsten würde ich dich rund um die Uhr fest an mich drücken und dir sagen, wie lieb ich dich habe. Ich vergrabe mein Gesicht in deinem Haar und deinem Nacken, wenn du schläfst. Ich streichle deine Hand und deine Wange. Ich habe dich so so so unendlich lieb, kleiner Samuel. Du wirst immer mein Baby bleiben, mein Erstgeborener. Vergiss das nie, ja?

In Liebe,
deine Mami

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