Südostasien ist ein immer beliebteres Reiseziel für Familien mit Kindern und das, obwohl die Gefahr einer Erkrankung gar nicht so gering ist. Als Eltern haben wir eine große Verantwortung gegenüber unseren Kindern und vor allem zählt hierzu ihre Gesundheit. Asiatische Länder wie Singapur und Indonesien scheinen dafür nicht gerade eine gute Grundlage zu sein – sehr viele Krankheitserreger tummeln sich dort, die in Deutschland gar kein Thema sind. Daher muss man sich zwangsläufig mit dem richtigen Impfschutz und Prophlaxemaßnahmen auseinandersetzen – oder eben gar nicht erst in solche Länder reisen.
Für uns war schnell klar, dass wir trotzdem reisen möchten, denn selbst, wenn wir warten, bis die Kinder größer sind, kann uns niemand deren Gesundheit bei einer solchen Reise garantieren und zudem haben kleine Kinder bei einigen Krankheiten keine bis kaum Symptome. Und nicht zuletzt wachsen auch in Asien täglich Kinder gesund heran, auch wenn diese von klein auf mit anderen Hygienebedingungen zu kämpfen haben.

Wir waren 2016 mit unserem damals ein Jahr alten Sohn bereits auf Rucksacktour durch Thailand – eigentlich war noch viel mehr als das geplant: Malaysia, Indonesien, Vietnam. Aber trotz der zwei Monate war dafür nicht genügend Zeit, denn wir bevorzugen es, langsam zu reisen.
In diesem Frühherbst soll es daher für uns erneut nach Asien gehen, diesmal haben wir uns nicht so viel vorgenommen. Es soll nach Singapur gehen und anschließend nach Indonesien. Bali, Java, Flores, Borneo. Vorerst muss das reichen, denn diesmal werden wir “nur” einen Monat unterwegs sein. Und auch diesmal ist unser Reiseplan flexibel, da wir nicht (zu) viel vorab buchen möchten, um möglichst frei zu sein. Wir möchten mit dem Flow gehen, uns treiben lassen. Alles kann und nichts muss – allerdings sind wir  auch mal im Dschungel unterwegs und öfter an Orten, die nicht ganz so touristisch sind. Natürlich wird man überall andere Touristen treffen, aber richtige Massen von Urlaubern möchten wir gern umgehen und reisen daher möglichst in eher abgelegene Örtchen. Und genau deshalb ist es umso wichtiger, sich mit den Impfempfehlungen für das jeweilige Reisegebiet vertraut zu machen. Impfschutz auf Reisen, vor allem der Impfschutz für die Kinder ist ein sehr wichtiges Thema, das wir nicht einfach unbeachtet lassen möchten. An dieser Stelle möchte ich übrigens kurz anmerken, dass wir generell pro impfen sind, aber alle von der Stiko vorgesehen Impfungen möglichst spät impfen lassen. Jeder kann das so machen und halten, wie er möchte, eine Impfdebatte möchte ich hier sicherlich nicht anzetteln.

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Impfempfehlung – Wo finde ich diese?

Welche Impfempfehlungen es für ein bestimmtes Reisegebiet gibt, kann man beim Tropeninstitut oder bei Reisemedizinern herausfinden. Diese beraten ausführlich und geben viele Informationen zu Risiken und Gefahren. Wir haben uns beim Tropeninstitut der Uni Köln und bei unserem Kinderarzt, der auch bei Reisen berät und z.B. auch das Tauchtauglichkeitszertifikat ausstellt, informiert, außerdem waren wir zusätzlich bei einer Kinderärztin, die auf Reiseschutzimpfungen spezialisiert ist.

Impfempfehlung für Indonesien und Singapur

Für uns interessant waren die Empfehlungen für
Singapur
Java
Bali
Flores
und ggf. Borneo.
Das Auswärtige Amt sagt dazu folgendes:

Es wird empfohlen, die Standardimpfungen gemäß aktuellem Impfkalender des Robert-Koch-Institutes für Kinder und Erwachsene (siehe http://www.rki.de) zu überprüfen und ggf. zu vervollständigen. Dazu gehören auch für Erwachsene die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), ggfs. auch gegen Polio (Kinderlähmung), Mumps Masern Röteln (MMR) und gegen Influenza (Grippe) und Pneumokokken.
Als Reiseimpfung wird die Impfung gegen Hepatitis A, bei Langzeitaufenthalten oder besonderer Exposition auch gegen Hepatitis B, Tollwut, Typhus und Japanische Encephalitis empfohlen. (Auswärtiges Amt)

Reiseimpfungen können schnell und einfach vor Krankheiten schützen. Dabei muss jeder für sich abwägen, wann er den Schutz und die Kosten durch eine Impfung eingeht oder sich dem Risiko einer Ansteckung aussetzen will. Wir haben bereits zu Anfang des Jahres eine große Summe für unsere Reiseimpfungen bei Seite gelegt, da wir diese nicht von den Kosten abhängig machen wollten. Unsere jetzige Krankenkasse, die Barmer, bezahlt nämich nur 100 € / Kalenderjahr, was nicht mal eine Injektion abdeckt. Wir werden daher zur Techniker wechseln, die viel mehr Kosten für eine Reiseschutzimpfung übernimmt. Wer also langfristig plant, sollte sich nach einer Kasse umsehen, die einen großen Teil der Impfungen erstattet, um Kosten zu sparen.

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Wir haben unsere Entscheidung vorwiegend auf den Nutzen der Impfung basiert – wenn wir beispielsweise nur eine Woche in ein bestimmtes Risikogebiet reisen, dafür aber für jeden von uns drei Injektionen fällig werden, ist das für uns einfach nicht tragbar. Die Kinder dieser Belastung durch die Injektionen auszusetzen bei sehr geringem Risiko möchten wir nicht. Für uns wäre das fast, als würde man gar nicht erst Auto fahren, weil man einen Unfall bauen könnte, wisst ihr, was ich meine?
Nachfolgend habe ich euch daher mögliche Krankheiten aufgelistet und schildere, wie wir im jeweiligen Fall entschieden haben.

Hepatitis A

Hepatitis A ist eine Entzündung der Leber, die durch Viren hervorgerufen wird und wird auch Gelbsucht genannt. Die Ansteckung erfolgt durch Schmierinfektion, also sollte man sich immer gut die Hände waschen und möglichst keine Speisen essen, die nicht gekocht oder geschält sind – aber dieser Grundsatz cook it, peal it or leave it gilt sowieso in Asiatischen Ländern. Wir trinken daher auch kein Leitungswasser und putzen auch unsere Zähne mit Trinkwasser. Symptome treten in der Regel erst zwei Wochen nach der Infektion auf, häufig sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz, Temperaturerhöhung, Verstopfung, Durchfall und Schmerzen im rechten Oberbauch. Bei Kindern verläuft die Hepatitis oft ohne Symptome. Behandelt wird die Hepatits A durch Linderung der Symptome.

Wir haben uns dazu entschieden, Samuel gegen Hepatitis A impfen zu lassen, bei Mio ist die Wahrscheinlichkeit, dass er daran erkrankt und dann auch Smptome aufweist eher gering. Wir selbst sind bereits seit unserer Thailandreise gegen Hepatitis A geimpft, werden die Impfung nun aber noch mal mit einer einzelnen Injektion auffrischen. Danach werden wir einen Langzeitimpfschutz haben.

Tollwut

Tollwut ist eine Virusinfektion, die durch den Speichel infizierter Tiere übertragen – meist geschieht das durch Bisse oder auch durch Lecken von offenen Wunden. Tollwut ist deshalb so gefährlich, weil sie bei Nichtbehandlung zum Tod führt. Problematisch ist Tollwut vor allem, weil man einem Tier nicht ansieht, ob es an Tollwut leidet, das bedeutet, dass immer, wenn man gebissen wurde, sei es von einer Katze, einem Hund oder einem anderen Tier, man sofort in eine Klinik fährt, die mit der Immunisierung beginnt. Hierbei wird sozusagen die nicht vorhandene Impfung nachgeholt – was eine sehr langwierige und hoch frequentierte Prozedur ist. Wenn man vorab den Impfschutz gegen Tollwut erhalten hat, ist trotzdem eine erneute aktive Impfung innerhalb von 72 Stunden notwendig – je früher, desto besser.

Da Mio vorwiegend bei uns auf dem Arm sein wird und wir immer in seiner Nähe bleiben, werden wir bei ihm auf einen Tollwut-Impfschutz verzichten und ihm die drei Injektionen vorab ersparen. Samuel hingegen erhält die Impfung, da er bestimmt auch einige Strecken laufen wird und eventuell dabei voraus läuft. Hier können wir uns einfach nicht sicher sein, dass nicht doch mal ein infiziertes Tier aufgeschreckt wird und angreift. Wir selbst werden auch keinen Impfschutz erhalten – grundsätzlich gilt für uns alle, dass wir uns vor Tieren fern halten, kein Tier streicheln.

Typhus

Typhus wird durch Bakterien un verunreinigter Nahrung übertragen und führt zu Fieber und Kopfschmerzen, wässrigen Durchfällen oder Verstopfung, Husten und Hautrötungen.

Wir haben uns gegen eine Impfung entschieden und treffen deshalb gute Hygienemaßnahmen. Regelmäßiges Händewaschen, gut gegarte Speisen und Co sollten uns hoffentlich vor den Bakterien schützen.

Japanische Enzephalitis

Japanische Enzephalitis wird durch Stechmücken übertragen – anders als bei Malaria und Dengue-Fieber kann man hier durch eine Impfung vorbeugen. Da das Risiko aber vor allem in ländlichen Gebiete und zur Regenzeit gegeben ist, haben wir uns gegen eine Impfung entschieden. Wir werden für ausreichenden Mückenschutz sorgen und uns damit weitestgehend schützen.

Malaria

Malaria wird von der in den Abendstunden aktiven Anopheles-Mücke übertragen. Wenn eine infizierte Mücke bei einem Stich die Malaria-Erreger (Sporozoiten) überträgt, beginnt der Kreislauf der Ausbreitung der Krankheit. Gegen Malaria gibt es keinen Impfstoff, man kann sich lediglich durch gewisse Vorsichtsmaßnahmen (Expositionsprophylaxe) wie lange Kleidung, Moskitonetz und Mückenschutzmittel gegen eine Ansteckung schützen oder eine Malaria-Prophylaxe einnehmen.

Da ein wirkliches Ansteckungsrisiko nur auf den Gebieten östlich von Lombok besteht, ist die Malaria für uns nur während unseres Aufenthaltes auf Flores interessant. Wir haben uns noch nicht endgültig entschieden, wie wir mit diesem Thema verfahren, da mir von schlimmen Nebenwirkungen der Prophylaxe berichtet wurde, allerdings ist eine Ansteckung natürlich auch sehr gefährlich. Möglicherweise verzichtenw ir komplett auf Medikamente, oder führen diese nur für den Ernstfall der Ansteckung mit – dann würden wir diese einnehmen.
Möglich wäre zum Beispiel – sofern wir medikamentösen Schutz mitnehmen:
Malarone (Wirkstoff Atovaquon/ Proguanil): der Vorteil läge hier bei einer relativ kurzen Einnahme des Medikaments von ca. 2 Wochen (zwei Tage vor bis sieben Tage nach der Reise ins Risikogebiet)
Resochin (Wirkstoff Chloroquin): hier sind die Nebenwirkungen sehr gering.

Wer bereits in Malaria-Gebiete gereist ist, darf uns auch sehr gerne seine persönlichen Erfahrungswerte hier lassen. Wir sind darüber sehr dankbar.

Zika-Virus

Wer nach Indonesien reist, sollte sich bewusst sein, dass die Möglichkeit mit einer Ansteckung des Zika-Virus gegeben ist. Symptome sind Fieber, rote Augen, Hautausschlag, Kopf- und Gelenkschmerzen. Da sich das Virus auf Ungeborene übertragen kann und nicht gänzlich geklärt ist, wie lange das Virus im Körper bestehen bleibt, sollten Schwangere und Frauen, die planen schwanger zu werden besonders vorsichtig sein. Es wird dazu geraten, im Zeitraum von sechs Monaten nach einer Reise ins Risikogebiet deshalb nicht schwanger zu werden.
Für uns bedeutet das: vermehrter Schutz durch entsprechende Kleidung, Moskitonetz und Mückenschutzspray. Und möglichst keine Schwangerschaft bis zum Frühjahr 2019.

Grundsätzlich stehen wir den Nebenwirkungen und übertrieben vielen Impfungen für unsere Kinder  eher skeptisch gegenüber. Die einzige Alternative ist, die Kinder und uns nicht zu impfen und uns alle dem Risiko einer schweren Erkrankung auszusetzen. Das ist aber in einigen Fällen keine Option. Entscheidende Faktoren bei unserer Entscheidung für oder gegen die Impfung waren:

  1. Könnten wir bei einer Infektion mit der Krankheit mit hohen Wahrscheinlichkeit sterben oder dauerhafte Schäden davontragen?
  2. Gefährde ich andere Menschen, indem ich mein Kind nicht impfen lasse? (Stichwort Meningokokken – diese werden durch Tröpfcheninfektion übertragen.)

Wenn wir beide Fragen mit Nein beantworten können, impfen wir nicht.

Ich hoffe, dass ich damit all eure Fragen zum Thema Impfschutz in Südost-Asien hinsichtlich unserer Reise beantworten konnte. Habt ihr dennoch offene Fragen, dann stellt sie in den Kommentaren und ich versuche sie, so gut es geht zu beantworten.

Alles Liebe,

Jasmin

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