Hebammenvorsorge in eurer Schwangerschaft » wer wo was wie wann erklärt am Beispiel unserer #HeBÄMme

Vorgestern habe ich meinen Vorsorgetermin bei unserer Hebamme komplett vergessen. Ich meine, so richtig und einfach vergessen – obwohl er im Kalender stand! Jedenfalls in meinem, echt peinlich. Bei meiner ersten Schwangerschaft wäre mir das nie (!) passiert. Da fieberte ich wochenlang auf den einen Termin hin und war Tage vorher bereits nervös. Damals hatte mein Mann noch mehr Schwangerschaftsdemenz als ich. Sei es drum, vorgestern stand ich also in Unterhose da, als es plötzlich klingelte. Wird wohl der Paketdienst sein, dachte ich so bei mir und ging zur Tür. Es war aber nicht der Hermesbote, nicht der DPD Mann und auch nicht DHL – nö, da stand meine Hebamme, die zur Vorsorge gekommen war. Ich musste erstmal lachen, weil mein #pregnancybrain wieder ganze Arbeit geleistet und sogar diesen wirklich wichtigen Termin verdrängt hat – und dann war ich peinlich berührt. Wenigstens hatte ich mir noch schnell meine Leggings und ein Shirt übergeworfen. Niklas sah mich von der Küchentür aus vorwurfsvoll an, konnte sich aber ein Lachen ebenfalls nicht verkneifen, obwohl er ebenfalls in Jogginghose und “lässigem“ Out-of-Bed-Look überrascht wurde. #pregnancybrain – aber sowas von!

Warum ich euch das erzähle hat natürlich auch einen triftigen Grund. Ihr habt in den letzten beiden Monaten so viele Fragen zur Arbeit der Hebamme und der Vorsorge gestellt. Wie haben wir unsere gefunden? Welche Untersuchungen kann sie überhaupt machen? Wie oft kommt sie? Kostet die Vorsorge etwas? Deshalb habe ich mir die häufigsten Fragen mal rausgesucht und  hier findet ihr jetzt antworten:

Die Suche nach der richtigen Hebamme.

Als ich schwanger von unserer Asienreise zurückkehrte, war mein erstes Projekt die Suche nach einer passenden Hebamme. Ich wollte wirklich von Herzen eine Hausgeburt und Hebammen, die noch häusliche Geburten betreuen sind aufgrund der politischen Lage recht rar geworden (leider!). Also zack, Laptop an, gegooglet und nach einiger Recherche bin ich schließlich auf der Seite vom Hebammennetzwerk gelandet. Das kann ich nur empfehlen, die vermitteln einem oft noch eine Hebamme, wenn die Suche bereits aussichtslos erscheint. Bei Samuel wechselte ich in der Mitte der Schwangerschaft meine Hebamme, weil ich mit der ersten unzufrieden war – in Köln eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit aber übers Netzwerk konnte ich tatsächlich eine neue Betreuung finden. Wenn ihr schwanger seid und jetzt noch keine Hebamme habt, dann solltet ihr euch schleunigst eine suchen. Ne, am besten JETZT! SOFORT! Besser früher als später. Ok, den Artikel dürft ihr noch zu Ende lesen, dann aber rein in die Tasten hauen und euch auf die Suche begeben.

Zurück zu meiner Suche. Die Hebammenknappheit in Köln im Hinterkopf, hatte ich keine große Hoffnung und schrieb daher zusätzlich mehrere Hebammen von verschiedenen privaten Websites an, sicher ist sicher. Das ist wie bei der Wohnungssuche: man muss schnell sein, sonst hat man Pech.
Ich glaube es vergingen nur wenige Tage, bis der Anruf kam, über den ich mich riesig freute. Meine Wunschhebamme hatte noch Kapazitäten für Juni und wir vereinbarten einen Termin, auf den ich dann gespannt hinhibbelte. Würde die Frau auf dem Foto zu uns passen? Teilt sie meine Ansichten? Versteht sie meine Wünsche? Sind wir uns sympathisch? Vor dem Treffen war ich richtig nervös, wie beim ersten Date (nur ohne Schmetterlinge im Bauch) und räumte noch ganz akkurat die Wohnung auf. Der erste Eindruck und so, ihr wisst doch. Ich bin da penibel. Bei uns ist es zwar meistens ohnehin ordentlich, aber schaden kann es nicht, nochmal gründlich aufzuräumen. Den Tick habe ich wohl von meiner Mama, bei der kann man vom Boden essen – auf dem Klo! Wahrscheinlich sogar von der Klobrille, aber das möchte ich aus Gründen meiner Vorstellungskraft lieber nicht testen. Ich schweife ab…

Dann klingelte es. Puh. Tief durchatmen, Tür auf – und… da stand sie, unsere HeBÄÄÄMme – und haute mich um! Meinen Mann ebenfalls. Wie das so ist, wenn man neue Menschen kennen lernt, sind die ersten drei Millisekunden die entscheidenden – entweder es passt oder eben nicht.  Mein Bauchgefühl war hier sofort sehr positiv, es war fast so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, wenn man das in dem Zusammenhang so sagen darf.  Eine quirlige lebensfrohe Hebamme, älter als wir, aber sowas von nett und herzlich stand da vor uns und betrat unsere Wohnung. Die Wohnung, in der vielleicht unser Kind geboren wird, ein plötzlich ganz besonderer Ort für mich, den ich nun ganz anders wahrnehme. Bei einer Tasse Winterkräutertee (und ich dachte immer, Hebammen sind notorische Kaffeetrinkerinnen – die müssen doch ständig müde sein?!) erzählte ich von meinem Wunsch zu Hause zu gebären, aber auch von Niklas’ Bedenken und auch ein bisschen von meiner ersten Geburt, die wohl einer meiner Beweggründe für eine Hausgeburt war. Keine Stille. Kein Gefühl von Unwohl sein. Keine Scheu. Ich konnte völlig offen und locker sein – ein gutes Zeichen. Ich fühlte, dass ich in den Händen dieser Frau gut aufgehoben war und konnte sie mir bei der Geburt an meiner Seite vorstellen.
Die Hebamme erzählte etwas von sich und davon, wie sie die Frauen betreut, welche Möglichkeiten bestehen und natürlich sprach sie auch über die Kosten die auf uns zukommen; die Kasse übernimmt nämlich nur einen Bruchteil der Rufbereitschaft, die in unserem Fall 760,-€ beträgt. Das ist wirklich ein Batzen Geld, aber das ist es uns wert! Ich möchte einfach keine engmaschige Betreuung durch den Gynäkologen mehr, sondern eine hauptsächlich hebammengeleitete Vorsorge (hier habe ich bereits ausführlich darüber geschrieben). Die Stunde war in einem Wimpernschlag vorüber und wir um eine Hebamme reicher. Um unsere Hebamme. Denn wir, Niklas und ich, wussten auf Anhieb die ist es. Nach dem Gespräch war ich sehr erleichtert.  Die erste Hürde war geschafft. Eine Hebamme zu finden ist nämlich in der Regel gar nicht so einfach, und schon gar nicht eine,  die noch Hausgeburten begleitet. Bei uns hat es geklappt, mit warten, hibbeln, sich freuen. Und dann so richtig, mit High Five an Niklas tschacka!

Schwanger und keine ärztliche Kontrolle?

Seit wir uns in der fünften Schwangerschaftswoche für eine hebammengeleitete Vorsorge entschieden und eine passende Hebamme gefunden haben, kommt diese ungefähr alle vier Wochen zu uns. Ja, ich war tatsächlich nur in der 8. und 21. Schwangerschaftswoche beim Frauenarzt. Kein Stress, kein genervt sein. Die Hebamme betreut mich nämlich bei uns zu Hause. Allein das entspannt mich ungemein – und erleichtert mir den Alltag mit Kleinkind sehr. Ich muss mir im Vorfeld keine Gedanken um Samuel machen. Das heißt, ich muss den Termin nicht in die hoffentlich-schläft-er-vorher-und-ist-beim-Termin-nicht-müde-Tageszeit legen, sondern das ist völlig egal, wir sind ja eh zu Hause.  Ich muss die Tasche nicht akribisch mit ausreichend Spielzeug, Proviant und Windeln füllen, um dann zum Arzt zu hetzen. Nein, meine Vorsorge ist entspannt. Samuel spielt währenddessen im Wohnzimmer oder schaut aufmerksam mit leuchtenden Augen zu, was die Hebamme da so tut. Ich erkläre ihm dann alles nebenbei und er lauscht meinen Worten – oder stibitzt das Abhörgerät.

Das Gespräch.

Für die Untersuchung, ich würde es eher Treffen nennen, setzen wir uns gemütlich ins Wohnzimmer und ich lasse die vergangenen Wochen meiner Schwangerschaft Revue passieren. Meist trinken wir eine Tasse heißen Tee, das ist im Winter nämlich besonders gemütlich und fördert die entspannte Atmosphäre. Dabei erzähle ich, wie ich mich fühle, was sich verändert hat, ob ich aktuell Beschwerden oder Ängste habe. Auch von schönen Momenten, wie zum Beispiel, dass ich das Baby nun täglich mehr spüre. Es ist fast ein bisschen wie ein Gespräch mit einer guten Freundin. So kann meine Hebamme sehr gut mein aktuelles Befinden einschätzen und bekommt einen Gesamteindruck. Das ist wichtig, da sie ja kein Ultraschallgerät besitzt, mit dem sie alles auf dem Bildschirm sieht. Aber durch meine Erzählungen weiß sie genau, worauf sie in den anschließenden Untersuchungen achten muss. Auch für Fragen von unserer Seite steht meine Hebamme immer zur Verfügung.

Die Untersuchung.

Eine Hebamme kann genauso wie ein Arzt alles Mögliche untersuchen, lediglich eine Ultraschalluntersuchung fällt weg – und damit natürlich auch genaue Kilogramman- und Zentimeterangaben was die Größe des Babys betrifft. Meist misst meine Hebamme mir als erstes den Blutdruck, hier ist immer alles in Ordnung bislang, und untersucht mein Urin. Ein Schnelltest zeigt, ob Eiweiß, Zucker, Bakterien oder Blut im Urin sind. Mit einem Teststreifen kann ich außerdem den PH-Wert meiner Scheide kontrollieren – der Streifen verändert je nach Wert nämlich die Farbe des Kontrollfeldes. Dafür kann ich mich sogar allein ins Bad zurückziehen und muss nicht wie beim Arzt beschämt mit gespreizten Beinen auf einer Liege liegen. Ich hatte nie ein großes Problem mit Frauenarztbesuchen, nein, aber so gefällt es mir trotzdem besser. Wer entblößt sich denn schon nahezu grundlos freiwillig? … Eben!

Schließlich wiege ich mich und wir messen meinen Bauchumfang, damit wir Vergleichsdaten haben. Dann wird mein Bauch abgetastet. Beim Abtatsten kann meine Hebamme eine Vielzahl an Informationen bekommen, beispielsweise ertastet sie als erstes den Fundusstand, also die Größe der Gebärmutter. Dann versucht sie die Lage des Babys zu ertasten. Hier war ich übrigens total überrascht, denn schon in der 15. Woche konnten wir das Baby von außen super ertasten und sogar das Köpfchen fühlen. Jetzt, mit fortschreitender Schwangerschaft geht das natürlich bei jedem Besuch besser. Wenn sich das Baby gut hin und her schieben lässt, ist noch genügend Fruchtwasser vorhanden, ebenfalls ein Test, den die Hebamme macht. Außerdem kann sie ertasten, ob die Gebärmutter stark arbeitet, was auf Wehen hindeuten würde oder auch, ob der Kopf oder Po des Kindes auf den Muttermund drücken.
Bei Bedarf erfolgt auch eine Blutabnahme, bei der beispielsweise der Eisenwert kontrolliert wird . Das habe ich bei meiner Hebamme erst ein Mal gemacht, da ich bei meinem ersten Arztbesuch ebenfalls eine Blutkontrolle gemacht habe. Unsere Hebamme klärt mich außerdem sehr ausführlich über mögliche zusätzliche Untersuchungen auf, wie den Zuckertest oder B-Streptokokken. Ich persönlich empfinde die Aufklärungsarbeit der Hebamme als ungezwungener und ausführlicher, denn sie nimmt sich wirklich Zeit alle Vor- und Nachteile einer solchen Untersuchung zu erläutern und auf meine Bedenken einzugehen. Beim Arzt hatte ich in Samuels Schwangerschaft hingegen öfter das Gefühl, keine genauen Informationen bekommen zu haben.

Abgesehen von dem Termin alle vier Wochen, kann ich meine Hebamme bei Fragen oder Beschwerden jederzeit anrufen. Sie ist dann für mich da, gibt Ratschläge und Tipps oder kommt auch persönlich vorbei. Bislang musste ich diesen Service noch nicht in Anspruch nehmen, worüber ich sehr froh bin. Aber es tut dennoch gut zu wissen, dass ich immer einen Ansprechpartner an meiner Seite habe.
Bis auf die Rufbereitschaft wird übrigens die gesamte Vorsorge von der Krankenkasse übernommen. Ich unterschreibe dafür einfach nach jedem Termin, dass meine Hebamme da war und sie schreibt eine Rechnung. Es entsteht für mich daher kein zusätzlicher Aufwand.

Eine Hebamme macht also letztlich nicht weniger als ein Arzt, vom Ultraschall einmal abgesehen. Ich habe sogar den Eindruck, dass ich nach der Vorsorge mit meiner Hebamme viel glücklicher bin, weil sie sich in jedem Gespräch sehr viel Zeit für mich nimmt, Zeit für Fragen, Wehwehchen. Das tut mir gut und so bin ich danach immer sehr entspannt.

Alles Liebe,
eure Jasmin


2 Kommentare Gib deinen ab

  1. ekulele sagt:

    Ein ganz toller Beitrag! Es ist einfach so viel Wert, wenn man eine Hebamme gefunden hat, welchem zu einem, der Familie passt 🙂 Ich darf mich nun auch glücklich schätzen, eine ganz tolle Hebamme an meiner Seite zu haben. Das bestärkt mich unheimlich und gibt mit ein sicheres, aufgehobenes Gefühl.

    Alles Liebe für Euch, Frauke

    1. Hallo Frauke,

      ich bin auch wirklich sehr froh, dass es bei uns auf Anhieb geklappt hat. Bei Samuels Schwangerschaft fühlte ich mich mit der ersten Wahl gar nicht wohl und “musste” dann sehr spät switchen- diesmal passt es auf Anhieb!

      Dir auch alles Liebe!

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