Kinderbetreuung – KiTa oder Tagesmutter? oder Kinderbetreuung zu Hause?

Kinderbetreuung zu Hause, KiTa oder Tagesmutter?
Kinderbetreuung zu Hause, KiTa oder Tagesmutter?

Als wir planten, ein Baby während des Studiums zu bekommen, machten wir uns natürlich auch Gedanken, wie das Studium aussehen soll, wenn das Kind dann da ist. Schnell war klar: ich nehme das Baby zu Beginn mit und mit einem Jahr dann Kita oder Tagesmutter und ich studiere Vollzeit weiter. Soweit der Plan, aber die Realität sieht anders aus.

Früh nach Samuels Geburt änderte ich meine Meinung. Ich mochte ihn nicht aus den Augen wissen, selbst aus dem Raum zu gehen und ihn “zurück” zu lassen, fiel mir oft schwer. Natürlich legte sich das schnell, aber spätestens wenn ihn jemand zu einem Spaziergang einpacken wollte, war Schluss mit lustig. Das wollte ich nicht. Ich hätte mich gefühlt, als hätte man mir den Arm abgeschnitten. Und habt ihr Samuel schon in der Krippe angemeldet?  Die wohl häufigste Frage. Krippe? Ich hatte doch über 10 Monate in der Schwangerschaft mein Baby ständig bei mir, da konnte eine so abrupte Trennung nicht das Richtige sein. Um die Frage zu beantworten: ja, haben wir. Aber wir werden den Platz nicht in Anspruch nehmen (abgesehen davon haben wir bislang sowieso keine Zusage, aber das ist ein anderes Thema).

Wir haben für uns beschlossen, das wir Samuel vorerst zu Hause weiter betreuen möchten. Das hat zum einen ganz pragmatische Gründe: Samuel wird noch gestillt, auch tagsüber, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das innerhalb der nächsten zwei Monate ändern wird. Außerdem finde ich es völlig legitim, ihn zu Hause in seinem gewohnten Umfeld zu betreuen, wenn ich doch die Zeit dafür habe, wenn ich doch viel zu Hause bin zwischen den Vorlesungen und Seminaren. Der Vorteil des Studiums ist Flexibilität. Niklas und ich basteln also unseren Stundenplan so, dass immer einer von uns bei Samuel ist. Eine gute Alternative sind auch Blockseminare, die oft in den Ferien, spät abends oder am Wochenende stattfinden. Nein, solange wir selbst so flexibel sein können, wollen wir Samuel tagsüber bei uns wissen.

Jedes Mal, wenn ich mir einen Kindergartentag ausmale, fühle ich mich in meiner Entscheidung bestätigt. Solange Samuel sich nicht äußern kann, möchte ich ihn bei mir wissen. An meiner Seite, an der er nicht fürchten muss, eine mit der Schaufel übergebraten zu bekommen, ohne sich wehren zu können. An der ihm nicht sein Spielzeug geklaut wird, ohne dass ihm jemand hilft. An der ihn niemand ohne Grund schubst, ihm sein Essen klaut, seine Schuhe versteckt oder seine Sandburg zerstört.
Vielleicht werdet ihr nun alle den Kopf schütteln. Ein Kind muss eben Entwicklungsschritte durchlaufen und seine Persönlichkeit herausbilden. Entweder es wehrt sich oder es gibt klein bei. Man kann das Kind nicht in Watte packen. Ihr werdet denken, im Kindergarten sind doch Erzieherinnen. Die werden das schon regeln.

Aber wir wissen doch alle, wie das ist. Bei 15 Kindern kann man nicht ständig seine Augen und Ohren überall haben. Man kann nicht immer Gerechtigkeit walten lassen oder jedem Wehwehchen auf den Grund gehen. Ob ich meinem Kind wichtige Entwicklungssprünge verwehre? Ob es dadurch verweichlicht? Ich bin mir sehr sicher, dass das nicht der Fall sein wird. Schließlich treffen wir fast täglich andere Kinder in verschiedenen Altersklassen und dort muss sich Samuel sehr wohl behaupten und ich greife nicht direkt ins Geschehen ein. Aber ich kann darauf achten, ob es meinem Kind Spaß macht, mit anderen Kindern zu spielen, ob er sich in seiner Umgebung wohl fühlt und ob ihm etwas fehlt. Ich als Mutter kann doch viel gezielter auf seine Bedürfnisse eingehen.

Das ist mir sehr wichtig. Ich möchte, dass mein Kind behütet und bedürfnisorientiert aufwächst. Keine Angst zu haben braucht und vor allem keine Verlustangst erleiden muss. Unser erstes Jahr war viel zu intensiv, um es jetzt zu beenden. Samuel hatte Niklas und mich ständig um sich, wir sind ein gutes Trio – nach unserem Urlaub wird dieses Band wahrscheinlich nur noch gefestigter sein. Und nach Samuels Unfall, der ihn ziemlich aus der Bahn geworfen hat, möchte ich ihn noch eine Weile um mich wissen.

Ich finde es schade, dass das Thema Betreuung eine so kontroverse Seite hat. Vor 20 Jahren, als mein Bruder und ich noch selbst klein waren, war es völlig normal als Mutter drei (in Zahlen 3!!!) Jahre zu Hause bei den Kindern zu bleiben. Wieso hat sich dieser Gedanke so sehr ins negative verändert? Weshalb liegt der Fokus so sehr auf Karriere und was ist schlecht daran, lieber selbst voll und ganz für das Kind sorgen zu wollen? Ich habe das Gefühl, dass unsere Gesellschaft uns Mütter hier völlig in die Irre führt. Bleibt man zu Hause, kommt die Frage Wie? Du gehst nicht wieder arbeiten? – geht man arbeiten, wird man schief angeguckt und gefragt Wozu hast du ein Kind bekommen, wenn du es dann eh nur abschiebst? Ich finde das sehr schade, denn in all dem Neuland, diesem Dschungel an richtig und falsch, Regeln, Gefühlen, Meinungen und Vorstellungen, die einem im ersten Jahr als Mutter begegnen, sollte man Zuspruch erfahren in dem, was man tut. Stattdessen wird uns das Gefühl gegeben, nichts richtig zu machen.

Wir jedenfalls lassen uns davon nicht beirren und denken, dass wir den für uns richtigen Weg gefunden haben. Dass wir genau so glücklich sind. Wir werden eine schöne Zeit haben, eine Zeit mit ganz viel Liebe.

Egal ob Kita oder Tagesmutter, oder zu Hause im Wechsel mit dem Papa, oder wie auch immer, Hauptsache ist doch, dem Kind geht es gut dabei.


Eure Jasmin


8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Freya sagt:

    Ich finde es super, dass ihr das so entschieden habt und auch die Möglichkeiten dazu habt.

    Es ist für die Entwicklung extrem wichtig, in den ersten Lebensjahr wenige sehr vertraute Bezugspersonen zu haben. Im Radio hörte ich neulich von einem Psychiater in der ehemaligen DDR praktiziert, wo die Kinder schon als Säuglinge in die Krippe kamen, dass es dort wesentlich mehr junge Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen sowie Problemen mit Aggressionsbewältigung gibt, was man auf diese fehlende frühkindliche Bindung zurück führt.
    Übrigens haben die elternbetreuten Kinder in meinem Familien- und Bekanntenkreis alle einen besseren Wortschatz und eine schnellere Auffassungsgabe, als Krippenkinder und auch ein völlig anderes Selbstvertrauen… 😉

    Ich beglückwünsche Euch zu der Entscheidung, ich glaube, es ist für Eltern und Kind die intensivste Zeit, die man genießen sollte. Notfalls findet sich bestimmt jemand, der Euch mal ein paar freie Stunden verschafft. 😉

    Genießt das Jahr, das vor Euch liegt!

    Alles Liebe,
    Freya

    1. Niklas sagt:

      Danke Freya! 🙂
      Wir versuchen das Beste aus der vor uns liegenden Zeit heraus zu holen.

  2. Vielfalt sagt:

    Ich finde es sehr schade, dass du stark in eine Richtung polemisierst. Ich schätze, du bist verletzt, weil deine Entscheidung gegen eine Krippe bewertet wurde? Und ich nehme an, dass du dir wünschst, dass andere Menschen deine Entscheidung einfach anerkennen – ohne negative Bewertung? Warum bist du dann nicht bereit genau in dieser Weise ein Vorbild zu sein?

    Du malst ein sehr negatives und – meiner Einschätzung nach – falsches Bild von Kindern, die miteinander agieren. Natürlich kriegt mal eine*r eine Schaufel über den Kopf oder jemand anderes wird geschubst. Aber Kinder sind auch sehr liebevoll miteinander und lernen sehr viel voneinander, was wir Erwachsenen ihnen so nicht beibringen können. Und sie tun es vorallem, wenn wir Erwachsenen nicht in ihr Tun eingreifen und sie stören. (Natürlich gibt es hier Grenzen und Situationen, in denen es sinnvoll ist da zu sein!) Ein Kinderrudel, das einfach mal machen kann, ist etwas sehr wertvolles und oftmals sind die Grenzen der Kinder was Schmerz oder Unangenehmsein angeht ganz andere als unsere.

    Viele Menschen entscheiden sich ein Kind zu bekommen ganz bewusst und sie entscheiden sich dennoch dafür ihrer Arbeit, ihrer eigenen kinderlosen Freizeit oder anderem nachzugehen. Das heißt nicht immer Karriere, das heißt auch Abwechslung, das heißt für ein (späteres) Auskommen oder die Zukunft zu sorgen. Es gibt sehr viele Gründe Kinder auch von anderen Menschen betreuen zu lassen ( …. Oder eben auch nicht … ) und diese zu bewerten ist nicht angebracht. Manche Menschen sind auch wirklich nur 5 Stunden am Tag ein “gutes” Elternteil und brauchen Zeit für sich selbst. Schön, wenn sie es erkennen und es sich eingestehen.

    Ich kritisiere übrigens auch wie Kitas aufgebaut sind, bin oftmals nicht glücklich mit pädagogischen Ansätzen und dafür die Arbeitsbedingungen von Pädagog*innen deutlich zu verbessern. Aber für diese Dinge müssen wir alle kämpfen, uns wehren, kritisieren, diskutieren, auf die Straße gehen unterstützen … Zu Hause bleiben reicht leider nicht aus.

    Zu meinem Weg: Ich habe mich auch nach der Geburt meines Sohnes gegen eine Betreuung an dem 1 . Geburtstag entschieden und bin mit ihm bis jetzt zu Hause geblieben. Mit 1,5 Jahren wird er zu einer Tagesmutter mit 3 anderen Kindern gehen. Ich wäre auch gerne mit ihm länger zu Hause geblieben aber es ist schlichtweg organisatorisch und finanziell nicht möglich … Auch ein sehr wichtiges Kampffeld, denn eigentlich gehört reproduktive Arbeit bezahlt!
    Ich freue mich übrigens ehrlich für euch, dass ihr euren Plan umsetzen könnt.

    Bitte sei dir bewusst, dass dein Blog eine Öffentlichkeit hat und Eltern/Mütter/Väter ständig bewertet und kritisiert werden! Sei solidarisch und versuch dich in neutraleren unterstützenden Texten.
    Als Literatur empfehle ich dir:
    Sämtliches von Maria Montessori, Enmi Pikler, Literatur des artgerecht Projekts und Silvia Federici zu Familie, Kindergruppen, Feminismus und Pädagogik sowie
    Orna Donaths Studie zu regretting motherhood. Außerdem passt dazu das psychologische Konzept zu intuitiver Elternschaft.

    Danke für deinen Text und deine Mühe!

    1. Vielen Dank für dein ausführliches Feedback und deine Gedanken zu meinem Beitrag. Um Missverständnisse zu vermeiden, möchte ich betonen, dass ich durch die Bewertung meiner Entscheidung nicht verletzt bin, sondern mir mehr Toleranz in der jeweiligen Entscheidung wünsche. Vor allem auch, die Möglichkeit (z.B. vom Arbeitgeber) zu haben, zu Hause zu bleiben, genauso wie ich mir (z.B. vom Staat) mehr KiTa-Plätze für die andere Seite wünsche.

      Natürlich schreibe ich keinen objektiven Blogpost, schließlich geht es ja darum, meine Sicht der Dinge zu schildern. Wie du dem 5. Absatz entnehmen kannst, bin ich sehr stark dafür, dass Samuel im ständigen Kontakt und Austausch mit anderen Kindern steht und bemühe mich, dies im Alltag konsequent umzusetzen.

      Da ich anscheinend einen wunden Punkt bei dir getroffen habe, möchte ich versichern, dass ich es nicht negativ bewerte, wenn man sein Kind von anderen Menschen betreuen lässt. Ich distanziere mich ganz klar von einer negativen Bewertung anderer Eltern und deren Entscheidung! Für meine jetzige Situation kann ich mir persönlich nur nicht vorstellen, Samuel fremdbetreuen zu lassen.

      Vielen Dank auch für deine Worte und Zustimmung, was den Aufbau der Kitas betrifft. Hier muss sich ganz viel tun! Momentan ist die Situation mehr schlecht als recht (theoretisch muss man das Kind in der Schwangerschaft anmelden, um einen Platz zu bekommen, was natürlich nicht geht!).

      Ich persönlich glaube übrigens, dass man Abwechslung nicht nur im Job, sondern auch in der Partnerschaft oder Freundschaften bzw. Hobbies findet – diese kann man evtl. auch pflegen, wenn der (sofern vorhanden) Partner aufs Kind aufpasst. Um gefordert und gefördert zu werden, Abwechslung vom Alltag zu haben, benötigt es nicht immer einen Arbeitsplatz. Übrigens bin ich auch nicht nur zu Hause, sondern habe ja auch mein Studium, für das ich viel Zeit investiere.

      Liebe Grüße,
      Jasmin

      1. Vielfalt sagt:

        Danke für deine Antwort! Klar weiß ich, dass du studierst. Aber ich denke, ihr 3 habt einfach viel Glück. Anscheinend ist es euch möglich euch so organisieren, dass Samuel zu Hause bleiben kann und ihr dabei weder hungern noch obdachlos sein müsst. Das geht einfach nicht allen so – leider! Die Wahl haben tatsächlich eher wenige. Ich finde es wichtig Eltern/Mütter/Väter in ihren Entscheidungen zu bestärken. Auch verständlich, dass du nicht neutral schreiben möchtest. Aber in eine Richtung polemisieren bei so einem empfindlichen Thema, bei dem Wahlmöglichkeiten schwierig sind, finde ich einfach nicht gut und schade für Menschen, die es lesen und sich verunsichern lassen.

        Übrigens: Direkt wund ist der Punkt nicht. Ich finde es einfach nur schade, dass ich nicht so richtig eine Wahl habe sondern einfach handeln muss. Ich denke so geht es vielen Menschen und auch diese würde ich gerne bestärken.

        Alles Gute für euch weiterhin!

  3. Oh du hast so recht. Ich sehe es auch nicht ein mein kleines Baby *abzugeben…. hier kommen auch dauernd unsere liebe Verwandschaft an und möchte uns den Kleinen abnehmen und sind dann teils ganz beleidigt wenn wir ihn aber nicht hergeben und ihn liebend gerne überall hin mitnehmen. Man bekommt doch kein Kind um es wegzugeben oder? Ich wollte immer bei meinem Baby bleiben, ich finde es nicht gut wenn man sein Kind schon früh in die Krippe, zur Tagesmutti oder sonst wohin abgibt. Natürlich muss man auch die Umstände betrachten, bei manchen geht das nicht. Aber alle anderen Mamis und Papis sollten sich doch wirklich nochmal Gedanken machen ob die Karriere es wert ist, sein Kind nicht aufwachsen zu sehen.

    1. So “negativ” würde ich es gar nicht formulieren. Viele sehen im Job einen Ausgleich zum Alltag. Ich persönlich würde aber, wie du, immer den anderen Weg wählen, denn die Zeit mit dem Kind kommt nie mehr wieder. Einen guten Job findet man (oft) auch zu einem späteren Zeitpunkt. Problematisch finde ich vor allem, dass die KiTas oft nicht ausreichendes Betreuungsperonal haben – zumindest ist dies ausbaufähig.

      Grüße,
      Jasmin

      1. Da hast du recht, hoffentlich ändert sich das irgendwann mal. Aber ich fürchte, solange die Bezahlung da nicht optimiert wird, bleibt die Situation erstmal so wies ist.
        Liebe Grüße
        Bella

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