Kinderängste ernst nehmen >> Von Monstern und nicht schlafen können

Kinder haben Ängste, von klein auf. Trennungsangst, Verlustangst - Angst die plötzlich da ist. Meistens kommen Ängste dann, wenn sich das Kind gerade in einer Entwicklungsphase befindet und deshalb auf Unbekanntes und neue Herausforderungen im Alltag trifft. Uns Eltern betrifft es genauso - schließlich können Ängste eine große Herausforderung für alle Beteiligten sein.  Bei uns ist nun, einige Wochen nach dem Kita-Start eine neue Angst eingezogen: die Angst vor Monstern.

Ängste im Kinderzimmer

Das Einschlafen bereitet unserem Großen mal mehr mal weniger Probleme und es wäre gelogen, wenn ich in der Vergangenheit behauptet hätte, dass es uns ständiges Kopfzerbrechen bereitete. Denn eigentlich schlief das Kind gut - zwar immer noch bei uns im Familienbett, aber es schlief. Natürlich gab es Abende, die uns zur schieren Verzweiflung brachten, weil an Einschlafen nicht zu denken war. Abende, an denen ich mehrmals aus dem Zimmer gehen musste, um meiner Wut Raum zu geben. Raus. Durchatmen. Und wieder neue Energie für die nächste halbe Stunde sammeln. Ja, manchmal war die Einschlafbegleitung eine absolute Geduldsprobe, ein Drahtseilakt der Gefühle. Aber neuerdings beschäftigt uns eine ganz andere Frage.

Schlafen sollte entspannt sein

Woher kommen die Monster?

Seit einiger Zeit möchte Samuel nicht, dass wir das Licht löschen, wenn wir ihn zu Bett bringen. Er wird dann ganz unruhig und läuft ständig zum Schalter, um es wieder einzuschalten. So oft, dass wir mittlerweile die Tranquile Turtle wieder hervorgekramt haben und mein Stilllicht nun an bleibt, bis er schläft. Aber woher kommt diese plötzliche Unruhe? Ich habe mich das erst selbst gefragt und mich dann darauf besonnen, dass mein Kind mir doch schon so allerhand mitteilen kann. Also habe ich das Gespräch gesucht. "Hilfe, Mama! Mooooonster!" war seine kurze aber deshalb nicht weniger panische Antwort. Nun, ich muss zugeben, ich war erst mal ganz schön baff. Mein Kind hat Angst vor Monstern. Natürlich habe ich mich gleich gefragt, ob in der Kita etwas vorgefallen ist. - Aber dort sind alle Kinder bis auf eines jünger als Samuel. Sehr unwahrscheinlich also, dass er die Monster von dort "mitgebracht" hat. Aber woher sind sie dann? Bislang habe ich Samuel nämlich nie über Monster im eigentlichen Sinne sprechen hören und auch uns nicht. Bei uns wohnte bisher nur das Knutschmonster, dass gerne ein paar Küsse verteilt und bei dem sich Samuel schon immer scheckig lacht. Aber die Monster, die er jetzt meint, sind nicht zum Küssen da; das ist ein anderes Kaliber von Monster. Sie jagen ihm ganz offensichtlich Angst ein. So große Angst, dass er nicht mehr gut schlafen kann.

Große Furcht vor Unbekanntem

"Licht an! Samel Aaaaangst! Samel weint!" (Samel nennt er sich noch oft selbst) - das hören wir nun jeden Abend vor dem Schlafen gehen. Dabei ist es übrigens ganz egal, ob wir im eigenen Bett, bei Freunden oder im Hotel übernachten, er hat ganz offensichtlich Furcht vor etwas.
Was genau diese Angst verursacht, weiß ich nicht. Aber es ist eine ganz reale Angst, die, wie wir wissen, natürlich auf Phantasie beruht - für ihn aber deshalb nicht weniger schrecklich ist. In seiner Phantasie gibt es die Monster wirklich. Sie haben eine reale Gestalt und sind genauso real, wie der süße kleine Teddybär, der neben ihm auf dem Bett sitzt. Es ist wirklich schwer für mein Mamaherz, den kleinen Mann so verängstigt zu sehen. Mein erster Impuls ist dann immer, ihn in den Arm zu nehmen.

Wenn Samuel nun also verängstigt ist, versichern wir ihm natürlich, dass er sich nicht fürchten muss und wir mit den Monstern locker fertig werden. Heute morgen erst hat Niklas an der Wohnungstür Anti-Monster-Spray versprüht! Doch warum tun wir das? Wir möchten seine Ängste ernst nehmen. Möchten, dass er weiß, dass wir ihm glauben und IHN als Person ernst nehmen. Denn für ihn sind die fiesen Monster offenbar völlig real. Also sprechen wir darüber, und obwohl wir seine Ängste zulassen, Überhand werden sie nicht nehmen, dafür sind wir da.

Wir gehen jetzt auf Monsterjagd - Ängste besiegen

Ein schlafloses Kind zu haben ist mit Baby und sowieso recht schlaflosen Nächten keine Option für uns. Deshalb haben wir uns einige Strategien gegen die Monster unterm Bett und Schrank ausgedacht. Es sollten möglichst Dinge sein, die Samuel ganz bewusst mit uns zusammen machen kann, so dass er in den Prozess der Monsterbekämpfung mit einbezogen wird.

Bei uns hilft es, zunächst auf die Suche nach Monstern zu gehen. Mit Taschenlampe bewaffnet und den etwas ängstlichen Samuel auf dem Arm gucken wir unters Bett, in den Schrank und vor die Tür.  Natürlich finden wir keine Monster - darüber ist Samuel jedes Mal sichtlich erleichtert. Dann verscheuchen wir alle Monster indem wir laut rufen "Haut ab! Monster, geht weg!". Je lauter wir rufen, desto mehr Angst haben die Monster vor uns. Zur Sicherheit hilft es auch manchmal, die Tür abzuschließen, denn durch fest verschlossene Türen können selbst große Monster ja bekanntlich nicht hindurch kommen.
Außerdem haben wir, wie erwähnt, noch eine Flasche Anti-Monster-Spray (eigentlich ist es wahlweise Fußdeo oder eine, sonst leere, Sprühflasche, die wir mit Wasser befüllt haben - aber hier machen wir uns die rege Phantasie unserer Kinder einfach zu Nutze), mit dem wir die Monster verjagen können.
Nach der Monsterjagd ist die Angst ein bisschen verflogen, zumindest vorübergehend, und dann kuscheln wir abschließend ganz viel. Ein großes Kuscheltier leistet uns als Aufpasser dabei Gesellschaft. Samuel ist nach dieser Monsterjagd jedenfalls sichtlich entspannter und gelassener und meistens klappt es dann auch mit dem Einschlafen ganz gut.

Ich hoffe sehr, dass die Angst vor Monstern bald wieder passé ist und wir dann getrost wieder zu unserem alten Einschlafritual, und zwar ohne die Jagd nach Monstern, übergehen können. Bis dahin geben wir weiter unser Bestes um unseren Sohnemann möglichst gut durch seine Ängste zu begleiten, ihm Halt und Sicherheit zu geben. Ein bisschen habe ich die Hoffnung, dass dieser Schritt durch unser Familienbett begünstigt wird - aber wir werden sehen.

Wohnen bei euch auch Monster im Kinderzimmer oder im Bett? Was tut ihr gegen diese bösen Biester, die euren Kids das Einschlafen erschweren?

Alles Liebe,
eure Jasmin

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. JacquelineJacqueline sagt:

    Diese Phase haben wir auch gerade. Maxim (wird im Janaur 3) sagt auch extrem oft ; Mama, geh du. Da sind Monster. Oder er geht in den Flur und rennt wirklich ins Schlafzimmer zurück und ruft ; nein Monster. Es ist wirklich schon beängstigend. Aber ich sage ihn immer wieder das er keine Angst haben muss und da nichts ist. 🙂

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