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In der Schwangerschaft tat ich, was wohl viele werdende Mütter tun: ich surfte im Netz, die Augen stetig auf der Suche nach dem perfekten Babyzimmer. Als wir es dann endlich fanden, war die Freude groß und ich konnte es kaum erwarten es nach meinen Wünschen und Vorstellungen einzurichten. Insbesondere dem süßen Bettchen schenkte ich dabei besonders viel Aufmerksamkeit und überlegte lange, wie ich es wohl am besten für einen sicheren Schlaf meines Babys gestalten sollte. Schließlich hielt ich im Bettchen alles sehr minimalistisch – eine Babymatratze, einen Matratzenbezug und darunter ein Moltontuch für eventuelle Missgeschicke, keine Kuscheltiere und keine Decke und Kissen, um das Baby nicht zu gefährden. Ich hatte einfach zu viel über den plötzlichen Kindstod gelesen und auch über die Gefahren von zu viel Schnickschnack im Babybett. Das Kind könnte sich die Decke über das Gesicht ziehen und ersticken, bei einem Nestchen kann die Luft nicht ausreichend zirkulieren und und und. Das dann doch eher für mich lieblos aussehende Bett stand dann schließlich im Kinderzimmer, da unser Schlafzimmer einfach zu klein für ein zusätzliches Babybett ist. Wird schon schief gehen, dachten wir.

Dann lieh mein Schwiegervater uns das Babybay von Niklas’ Geschwistern und wir waren heilfroh, dass unser Nachwuchs nun doch einen sicheren Platz in unserem Schlafzimmer hatte. Ganz beruhigt konnte ich die letzten Wochen meiner Schwangerschaft genießen. Schließlich kam der Tag, auf den wir Monate lang hingefiebert hatten: unser Kind wurde geboren und wir waren überglücklich. Obwohl ich eigentlich ambulant entbinden wollte, blieben wir schließlich eine Nacht in der Klinik, da die Umstände es uns nicht erlaubten, guten Gewissens direkt nach Hause zu gehen. Während ich aufs Zimmer verlegt wurde, ging Niklas mit unserem Neugeborenen zu den Schwestern, die ihn gemeinsam mit ihm ankleideten. Zurück kam er dann mit einem stolzen Grinsen und schob Samuel in einem Babybay vor sich her.  Aber schon da war mir eigentlich klar: mein Baby gehört zu mir. Die Idee des Co-Sleeping passte wohl besser zu mir, als getrennt von meinem Kind zu schlafen.

Co-Sleeping (engl. co-sleeping) bezeichnet die Praxis, dass Kinder in unmittelbarer Nähe von einem Elternteil oder beiden Eltern schlafen. Unter diesen Begriff fällt das Schlafen in einem gemeinsamen Zimmer (engl. room sharing) ebenso wie das Schlafen in einem gemeinsamen Bett (im Familienbett oder allgemeiner einer gemeinsamen Liegefläche, engl. bed sharing), das oft auch als Co-Sleeping (im engeren Sinne) bezeichnet wird. Das Schlafen eines Kindes im Kinderzimmer fällt somit nur dann unter diesen Begriff, wenn auch ein Elternteil dort übernachtet. – Quelle: Wikipedia

Ich nahm ihn also aus seinem Babybay und legte ihn auf meine Brust, wo er sanft fast den ganzen Tag, unterbrochen von ein paar Stillmahlzeiten, schlief. Auch nachts legte ich Samuel nicht in sein Beistellbett zurück, sondern behielt ihn ganz nah bei mir. Ich hatte das Bedürfnis, mein Baby zu beschützen und konnte es einfach nicht, selbst nicht diesen halben Meter, in das Beistellbettchen legen. Als die Nachtschwester kam, um nach mir und der Zimmernachbarin zu sehen, war sie von diesem Anblick gar nicht begeistert. Das sähe die Klinik gar nicht gerne und was, wenn das Kind aus dem Bett fiele oder ich mich versehentlich auf das Kind legte? Sie wollte Samuel sogar mit ins Schlafzimmer am Ende des Flures nehmen, um mir ein paar Stunden erholsamen Schlaf zu gönnen, aber das lehnte ich direkt mit heftigem Kopfschütteln ab.

Zu Hause schlief unser kleiner Samuel dann anfangs brav im Babybay, an meiner Seite des Bettes. Zum Stillen brauchte ich ihn nur andocken und schob ihn anschließend wieder in die sichere Ecke des Bettanhangs. Dort konnte nichts passieren und ich konnte beruhigt einschlafen, weil ich wusste, immer direkt bei meinem Baby sein zu können, wenn es mich brauchte.
Schnell wurden wir immer entspannter (und ich müder) und so wanderte Samuel immer öfter in unsere Mitte, ohne anschließend ins Babybay verbannt zu werden – unser Familienbett war geboren.

Mittlerweile ist Samuel längst zu groß für das Babybay, aber in seinem Bettchen allein in seinem Zimmer mag er trotzdem nicht schlafen. Verständlich, immerhin hat er über 12 Monate unsere Nähe genossen. Ich gebe zu, es gab eine Zeit kurz vor seinem 1. Geburtstag, in der er abends allein in seinem Zimmer einschlief. Dies geschah völlig ohne Weinen und ohne Protest und wir waren ehrlich gesagt auch ziemlich froh unsere schmalen 140 Zentimeter Ehebett wieder für uns allein zu haben und entspannt schlafen zu können, ohne ständig Tritte in Rücken und Rippen zu bekommen.
Aber seit unserem gemeinsamen Urlaub in Thailand, in dem Samuel ständig zwischen uns schlief, mag der kleine Mann sein Bett ganz und gar nicht mehr. Wir haben ihm den Weg zurück ins Familienbett nicht verwehrt und so schläft er nun wieder zwischen uns – inklusive Tritte in Rücken und Rippen.

Ich bin und war da auch immer praktisch veranlagt: wenn mein Kind Nähe braucht, gebe ich sie ihm. Mir ist es lieber auf etwas Schlafkomfort und 50 Zentimeter meines Bettes zu verzichten, als fünf mal in der Nacht aufzustehen, um dann eine halbe Stunde am Kinderbett zu sitzen und meinen weinenden Sohn der nach Nähe verlangt zurückzuweisen. Das hört sich nun dramatisch an, aber genau so dramatisch ist es auch. Ich wage zu behaupten, das Weinen meines Sohnes unterscheiden zu können. Da sind viele feine Nuancen verschiedenen Weinens, die sich alle zwischen Verzweiflung, Schmerzen und Frust bewegen. Tatsache ist, dass er nachts ein paar Nächte in welchen wir die ich-warte-an-deinem-Bett-bis-du-wieder-eingeschlafen-bist-Methode probierten immer wieder aufwachte und dann ganz verzweifelt weinte, bis wir ihn wieder bei uns schlafen ließen – und prompt war Ruhe eingekehrt. Und seit dem bin auch ich wieder erholter (und ebenso mein Mann, der mindestens genauso oft nachts aufstand, nämlich dann, wenn ich vor lauter Verzweiflung über meinen Schlafentzug schon richtig wütend wurde), beruhigter und kann meinen Job als Mama auch tagsüber gewissenhaft und gut machen. Für mich gibt es nichts schlimmeres als Wochen langer Schlafentzug (übrigens eine der ältesten Foltermethoden!) – da werde ich zum Mombie!

Nun, so ist unsere aktuelle Situation. Ein Einjähriger schläft zwischen uns und das sehr gut. Ich bin froh darüber, aber ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass ich mir nicht manchmal heimlich doch wünsche, dass er in seinem Zimmer schläft. Oder zumindest, dass ich mir ein größeres Bett herbei sehne #alliwantforchristmas (vielleicht so 2,50 Meter?) in welchem wir dann ganz entspannt zu dritt (und bald zu viert) kuscheln, schlafen, träumen, toben und Sonntags unsere Brötchen essen können – so richtig mit ganz vielen Krümeln, die uns in unsere vier kleinen Hintern pieksen. Aber vielleicht ist das auch eine viel zu romantische Vorstellung vom Familienbett? Wir werden sehen und ich halte euch auf dem Laufenden!

Alles Liebe,
eure Jasmin

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