Niklas und ich lernten uns am letzten Märzwochenende 2014 kennen. Der Beginn unserer gemeinsamen Geschichte könnte fast unromantischer nicht sein. Wir rochen beide nach Alkohol und Zigarettenrauch, waren verschwitzt und mein Make-Up hing auf halb acht. So standen wir da, mitten im Club und flirteten. Es war ein schöner Abend, an dem wir ausgelassen feierten, eine laue Frühlingsnacht wartete vor dem Club auf uns. Wir waren beide nicht auf etwas festes aus – und trotzdem sahen wir uns ab diesem Abend täglich, bis wir kurz darauf ein Paar waren.

Wir verbrachten Tage und Nächte gemeinsam in Niklas’ kleinem WG-Zimmer oder draußen im Freien, genossen jeden warmen Sonnenstrahl und das Leben. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich regelmäßig Hormone, die Anti-Baby-Pille. Aber ganz bald war uns klar, dass wir in einander den Partner gefunden hatten, ganz zufällig, den wir wohl auf der Reise des Lebens nur ein Mal finden. Den Partner, mit dem wir uns vorstellen konnten, eine Familie zu gründen. Wir sprachen schon nach kurzer Zeit immer häufiger darüber, wie wir uns die gemeinsame Zukunft vorstellten und schnell kamen wir auf das Thema Kinder. Ich war überrascht, Niklas konnte sich eine große Familie vorstellen – eine Einstellung, die bei Männern in seinem Alter und Lebenslage (er war ja gerade erst am Anfang des Studiums) eher selten ist. Immer öfter sprachen wir darüber, wann wohl der richtige Zeitpunkt für ein Kind sei und ob es diesen überhaupt gibt. Und schließlich setzte ich im Mai 2014, nach nur einem Monat als Paar, bereits die Pille ab und wir verhüteten ohne Hormone. Der Kopf war aus, wir vertrauten auf unser Herz.

Unseren ersten gemeinsamen Sommer verbrachten wir im Park und mit Freunden beim Grillen. Es war schön und täglich lernten wir neue Seiten am anderen kennen. Im Oktober beschlossen wir dann, ganz Hals über Kopf, zwischen den gepackten Umzugskartons mit denen es in die erste gemeinsame Wohnung gehen sollte, dass wir einen Schritt weiter gehen wollten und entschieden uns für ein gemeinsames Kind, ohne darüber nachzudenken, ob das überhaupt in unsere Lebensplanung passt. Studium, Finanzen, Zeit, als das war erstmal unwichtig. Wir wollten einfach nur eins: unser Glück mit einem Baby toppen. Kurz darauf folgte Niklas’ Heiratsantrag – und zwei Wochen später hielten wir bereits, nur ein paar Monate nach unserem Kennenlernen, den positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Ich sage euch, wir waren so glücklich! Wenn ich heute daran zurückdenke, war es schon ein bisschen verrückt. Aber so sind wir: Bauchmenschen, die auf ihr Herz hören.

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Ehrlich gesagt haben wir zu diesem Zeitpunkt mit viel Gegenwind gerechnet, schließlich kannten wir uns erst kurz (dafür aber intensiv!). Wir haben uns vorab kaum Gedanken über eine Zukunft mit Kind gemacht und sind einfach unseren Herzen gefolgt. Ich bin sowieso der Meinung, dass man niemals die Garantie hat, den Partner fürs Leben an seiner Seite zu haben; nicht nach drei Monaten, nicht nach fünf Jahren, nicht nach zehn Jahren. Also warum nicht einfach den Moment leben und das tun, was sich gerade richtig anfühlt?
Unsere Familie freute sich hauptsächlich und verkniffen sich blöde Sprüche. Das tat gut, denn auch wenn es unsere Lebensplanung und unsere Zukunft ist, wollten wir natürlich keinen Unmut schüren. Vielleicht hatten wir an dieser Stelle einfach Glück, dass unsere Familien so viel Verständnis für uns aufbrachten, ich weiß es nicht. Aber ich bin dankbar, dass sie uns keine Steine in den Weg legten!

Und wie denken wir heute darüber? Diese Frage ist schnell beantwortet. Wir lieben unser Leben. Ja, hier und da fragt man sich schon, wie es wäre, wenn wir erst später an die Familienplanung gegangen wären. Hätten wir mehr Platz? Definitiv! Mehr Geld? Ja. Mehr Freiraum? Ja. Mehr wertvolle Paarzeit? Vielleicht. Wären wir glücklicher? NEIN! Nein, ganz einfach nein.
Für Niklas und mich kam der Wunsch nach einem Kind aus dem Herzen – es war keine Spielerei, keine fixe Idee, sondern wir wollten es beide, weil es sich richtig anfühlte. Ich glaube, dass viele Menschen (leider) viel zu oft, viel zu lange über mögliche Lebenswege nachdenken und Wünsche bei Seite schieben. Dem Kinderwunsch nicht nachkommen, weil sie auf den richtigen Zeitpunkt warten. Erst Studium, dann Kind. Oh mist, ich will ja noch Karriere machen. Also erst Karriere, dann Kind. Jetzt ist die Wohnung zu klein. Also erst umziehen, dann ein Kind. Diese Gedankenkette kann man eine ganze Weile so weiter führen und schnell sind dann ein paar Jahre vergangen und Frau vielleicht biologisch zu alt. Ich glaube, dass es diesen richtigen, perfekten Zeitpunkt gar nicht gibt und deshalb habe ich auf mein Herz vertraut und die Ratio bei Seite geschoben. Die Ratio, oder die Meinung der Gesellschaft, dass man finanziell abgesichert und mit dem Partner länger zusammen sein sollte. Ich wollte nicht auf einen vermeintlich richtigen Zeitpunkt warten und hatte großes Glück, dass Niklas genauso denkt.
Es ist völlig okay, ein Kind ganz unüberlegt zu bekommen, wenn man sich dann auf das Kind einlässt und verantwortungsbewusst mit ihm umgeht. Vielleicht ist es dafür notwendig, den Lebensstandard an das Kind anzupassen; weniger auf sich selbst fokussiert sein, mehr die Bedürfnisse des Kindes in den Mittelpunkt stellen (natürlich ohne sich dabei selbst zu verlieren!). Weniger Party, mehr Familienzeit. Weniger Luxus, dafür ganz viel Wärme im Herzen!
Wie denke ich also heute darüber? Nun, ich würde alles genauso machen. Ich würde wieder die Pille absetzen und ich würde auch wieder genau dann ein Kind bekommen, wann ich es mir wünsche. Wobei… eine Sache würde ich dann wohl doch ändern. Ich würde mir mehr Zeit mit dem Studium lassen und mehr Zeit für meine großartige Familie nehmen. Und genau das mache ich jetzt. Mit Samuel. Und Baby Avocado. Und natürlich meinem wunderbaren Niklas.

Alles Liebe,
eure Jasmin

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