Ein schöner Nachmittag auf dem Spielplatz neigt sich dem Ende. Ich habe Mühe, meine beiden Räuber zum Gehen zu bewegen. Irgendwann schaffe ich es, sie mit dem Gedanken zu locken, dass Papa zh Hause schon sehnsüchtig auf uns wartet. Wir wollten eigentlich pünktlich zum Abendessen zurück sein. Ich bin müde und hungrig und mein Kopf voller Dinge, die ich mir schnell notieren will, bevor ich sie wieder vergesse. Die Jungs rennen voller Freude los, aber nach 200 Metern verlieren sie die Lust am Rennen und die zwei Rabauken schlurfen im Schneckentempo den Weg entlang. Sie blieben immer wieder stehen, um sich anzusehen, woran wir vorbeigehen – Blätter, Vögel, Würmer, Kanaldeckel, abgebrochene Äste, Steine – es ist alles so aufregend und faszinierend für sie. So viele Dinge. Ich werde immer hungrige und genervter und sage in meinem ungeduldigen erwachsenen Tonfall “Kommt schon, Jungs, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit, beeilt euch. Mami hat Hunger.”

20200501_195325

Aber nach einer Weile des Nögelns und dem Gefühl mit einer Wand zu reden, verstehe ich es. Ich hatte die Früchte an diesem Busch in den letzten Tagen nicht bemerkt und auch nicht den Eichhörnchenzobel auf dem Baum… und dieser Wurm, wie faszinierend er war, wenn er sich schlang und kräuselte. Und plötzlich beginne ich, die Regentropfen auf den Blättern zu bemerken, die wie kleine Edelsteine ​​funkeln. Rieche die Blüten des Rhododendron, an dem wir vorbei gehen und höre die fleißigen Bienchen summen. Ein Augenblick. Ein kurzer Moment, aber so kostbar und wertvoll für mich. Denn ich verstehe nun meine beiden Trödler viel besser. Wie wundervoll Mutter Natur doch ist. Warum habe ich das in all der Hektik vergessen? 

Mir wird klar, wie abgestumpft mein Blick gegenüber solchen hübschen Details zu sein scheint und wie faszinierend unsere Welt wirklich ist. Ich denke mir, wie gemein es von mir war, meine kleinen Jungen an allem vorbei zu ziehen, was sie sehen, berühren, riechen, hören wollten, und wie blöd es für sie sein musste, ständig gesagt zu bekommen, sie mögen sich beeilen. Natürlich sind sie dann frustriert und nörgelig, wenn nie Zeit für diese wundervollen Dinge bleibt.

Wenn du deinem Kind das nächste Mal sagst, es solle sich beeilen, dann nimm dir ein wenig Zeit, um den Blick auf die selben Dinge zu richten. Geh vielleicht fünf Minuten früher los, damit ihr Zeit für Beobachtungen habt. Verweile einen Moment bei dem kleinen Blatt am Wegesrand. Vielleicht hat sich ein Käfer darunter versteckt? Schaut euch gemeinsam an, wie die Pampasgrashalme im Wind wiegen und wie lustig es aussieht, wenn zwei Vögel Fangen spielen.

Wann hast du das letzte Mal inne gehalten? 

Alles Liebe, 

Jasmin