Party oder Privatsphäre >> Wer bei deiner Geburt dabei sein sollte.

Party oder Privatsphäre >> Wer bei deiner Geburt dabei sein sollte.

Wird ein Kind geboren, möchten Väter und andere Verwandte oft bei der Geburt dabei sein. Werdende Mütter sind hier ganz unterschiedlicher Meinung, wer bei der Geburt anwesend sein soll. Ebenso unterschiedlich sind die Argumente, die für oder gegen die Anwesenheit bestimmter Personen sprechen.

Eine Hausgeburt? Wow, dass du dich das traust! und direkt danach: Und wer wird dann alles bei deiner Geburt dabei sein? So oder so ähnlich fingen in den letzten Wochen einige Gespräche an. Ich bin mir nicht sicher, warum diese Frage wirklich gestellt wird. Resultiert sie aus der Sorge, dass nicht genügend Fachpersonal für den Ernstfall anwesend sein könnte oder eher aus der Neugier, wie eine Hausgeburt abläuft?
Die Geburt eines Kindes ist ein höchst emotionales, bewegendes Ereignis - aber auch sehr störanfällig. Von den anwesenden Personen ist vor allem Empathie und Rücksichtnahme gefragt. Viele Frauen möchten in einer entspannten Atmosphäre und unter Anwesenheit vertrauter, geliebter Menschen entbinden - für mich völlig verständlich, schließlich ist eine Geburt ein sehr intimes Erlebnis für alle Beteiligten. Es ist wichtig, sich vorab Gedanken zu machen, wen man dabei haben möchte und wen nicht. Wer wird bei meiner Geburt dabei sein. Eine Frage, die ich mir tatsächlich öfter selbst stelle, seit fest steht, dass ich gerne zu Hause entbinden möchte. Wer kann dabei sein? Und vor allem: Wer sollte dabei sein? Ich glaube diese eine Frage kann nur ich selbst mir beantworten. Ich muss ganz tief in mich hineinhören, um zu wissen, was ich möchte, was ich mir wünsche. Immerhin weiß ich, wen ich definitiv nicht dabei haben will. Und das ist ja auch schon ein Anfang, oder?

Um mir bei meiner Antwort ein bisschen zu helfen, habe ich mir ein paar Fragen gestellt.

Wenn ich mir meine Wunschgeburt vorstelle, wen visualisiere ich da an meiner Seite?

Ich habe ein recht genaues Bild von meiner Wunschgeburt im Kopf. Dieses visualisiere ich immer wieder vor meinem inneren Auge. Wen kann ich mir überhaupt an meiner Seite vorstellen? Ich meine, ganz generell, abseits von allen anderen Kriterien. Unterstützt die Person, die ich gerne dabei hätte, eine außer klinische Geburt? Versteht sie mich und meinen Wunsch zu Hause zu gebären? Fühle ich mich wohl, wenn ich offen und ehrlich meine Wünsche äußere, ohne Angst vor Vorwürfen zu haben oder ihre Gefühle zu verletzen?

Ich weiß noch als wäre es gestern gewesen, wie ich Niklas im Kreißsaal angepflaumt habe. Nichts konnte er richtig machen. Der Kaffee stank, so dass ich mich fast übergeben musste, das Snickers fand ich nur beim ersten Bissen noch lecker und überhaupt war alles doof. Und doch war ich richtig froh, ihn an meiner Seite zu wissen. Es tat mir gut, mich auf seine Anwesenheit verlassen zu können. Eigentlich versuchen Personen, es einem recht zu machen, aber manchmal möchte man einfach nur für sich sein, um konzentriert bei der Geburt mitarbeiten zu können. Daher finde ich es wichtig, dass ich den anwesenden Personen meine Wünsche mitteilen kann und diese sie respektieren. Wenn ich allein sein möchte, muss ich das sagen können, ohne dass die Person später beleidigt ist.

Würden ich mich bei ihrer Anwesenheit wohl fühlen, nackt und angreifbar zu sein?

Nackt und in der intimsten Situation (neben Sex), die, wie ich finde, ein Mensch durchleben kann. Wer darf mich so sehen? Wem möchte ich mich, diese andere Jasmin, zumuten? Kann ich mich öffnen, wenn diese Person anwesend ist und mich ohne Scham meinen Gefühlen und Geburtswellen hingeben? Ich kann mich gut an meine erste Geburt erinnern und erkannte mich kaum wieder. Ich war verletzlich und gleichzeitig unausstehlich. Ich war nackt, sicherlich irgendwann komplett verschwitzt und vielleicht sogar voll Blut (wie gut, dass ich nur Augen für unseren süßen Samuel hatte). Eins weiß ich, die Person, die mich so sehen darf, muss mir ganz nah stehen.

Lade ich die Person ein, weil ich das möchte, oder weil ich weiß, dass sich die Person wünscht dabei sein zu dürfen?

Diese Fragen stelle ich mir immer wieder. So oft, bis ich eine klare Antwort auf sie habe. Dadurch sind schon einige Personen nicht auf meiner potentiellen Liste gelandet. Für mich ist es ganz besonders wichtig, dass ich mich gut entspannen kann unter der Geburt und die Menschen um mich herum mich unterstützen, mir Halt und Kraft geben - und mich mit Samuel entlasten. Die Anzahl der Personen spielt, glaube ich, außerdem eine große Rolle. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, mein Kind vor einer Ansammlung an Menschen zu gebären. Ganz im Gegensatz zu einer Freundin, die regelmäßig auf ihr historisches Wikingerlager fährt und erzählte, dass das Kind einer Frau dort vom ganzen Zeltlager auf die Welt getrommelt wurde. Sorry, da stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Ich wünsche mir, dass mein Kind ruhig und wohl behütet auf diese Welt kommt, in eine best mögliche entspannte Atmosphäre - die ist aber nicht gegeben, wenn sieben Menschen auf einmal da sind.

Stören mich Zu viele Personen?

Meine Hebamme sagte einmal, wie ich finde sehr treffend: Für jede zusätzliche, unnötige Person, die bei einer Geburt anwesend ist, benötigt die Mutter eine Stunde mehr Arbeitszeit. Eine Stunde länger dauern die Wehen. Der Grund dafür scheint mir einleuchtend und plausibel. Wir Frauen neigen dazu, immer aufmerksam und präsent zu sein, mit dem Bewusstsein im Hier und Jetzt zu sein, anstatt uns fallen zu lassen und unseren Körper die Arbeit machen zu lassen, während wir im Geiste entspannen.

Aber wer wird als unnötig betrachtet? Nur die Mutter kann das beantworten. Ich glaube, dass das ganz stark davon abhängt, wie wir als Person sind und was uns gut tut. Es gibt Geburten, da ist selbst die Hebamme zu viel und andere, wie auf dem Wikingerlager, da heißen zwanzig Mann das Kind willkommen und es st genau das, was die Frau in dem Moment braucht, um zu gebären.

Egal, ob es nun nur der Ehemann, eine Doula, der Fotograf, der Akupunkteur, die Mutter, Schwiegermutter, Schwestern oder die Freunde sind, die meine Geburt begleiten, ich wähle jeden einzelnen von ihnen mit Bedacht aus, voll in dem Bewusstsein, was diese Person für mich leisten kann und wird. Wichtig ist mir bei all dem, dass mein Baby wohl behütet  in unsere Arme geboren werden kann.

Alles Liebe,
eure Jasmin

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. TinaTina sagt:

    Da ich beide Male in der Klinik war, habe ich mir da wahrscheinlich gar nicht so viele Gedanken gemacht. Dass mein Mann mit dabei war, war für mich selbstverständlich. Meine Nachbarin wurde während ihrer 2ten Schwangerschaft von ihrem Mann verlassen, sie hat auch lange überlegt, bis sie dann schließlich ihre Mutter mitnahm. Ich könnte nicht sagen, ob ich das gekonnt hätte.
    Bei uns war es so, dass die Schwiegereltern am liebsten gleich bei der ersten Wehe bescheid gewusst hätten. Mein Mann hatte sie bei Nummer 1 dann auch gleich nach der Gebut angerufen. Ich hatte den Zwerg nach dem Kaiserschnitt gerade ein paar Momente auf dem Bauch liegen. Ich war nackt unter einem dünnen Laken. Ich war verschwitzt, erschöpft und hatte diese unangenehme OP hinter mir. Und da standen dann plötzlich die Schwiegereltern im Zimmer. Hat mich furchtbar gestört.
    Eine Freundin von mir hat nach einer strapaziösen KH-Geburt die nächsten 3 Kinder daheim mit einer Hebamme zur Welt gebracht. Einmal hat die Oma – die im gleichen Haus lebt – die vorhandenen Kinder genommen, und einmal hat keiner etwas mitbekommen. Die Kinder wurden morgens wach und das Geschwisterchen war da. Ich glaube, das ist schon schön.
    LG, Tina

  2. Estefania, kindleinkomm.atEstefania, kindleinkomm.at sagt:

    Bei meinem ersten Kind wollte meine Schwiegermutter mit. HILFE!!!
    Auch später war sie dauernd da, hat ständig angerufen und sich wichtig gemacht. War echt nicht so einfach. Bei der Geburt wollte ich nur meinen Mann dabei haben. So war es dann auch. ?

    Lg Estefania

    http://www.kindleinkomm.at

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