Plazenta essen? Eklig oder vielleicht ein neuer Trend?

Ich bin sicher, dass ihr schon mal davon gehört habt … und wenn nicht … irgendwann ist bekanntlich immer das erste Mal! Die Frage ist … würdet ihr eure Plazenta essen? Und wenn ja, wie?
Das Thema Plazenta essen ist sehr umstritten, polarisierend und (verständlicherweise) oft mit viel Ekel verbunden. Aber die Plazenta zu essen, oder auch nur einen kleinen Teil davon, bietet tatsächlich auch viele Vorteile – hab’ ich selbst lange nicht gewusst.

Man sagt, die Plazenta zu essen kann

die Milchproduktion steigern
den Hormonhaushalt wieder in Einklang bringen
postnatalen Depressionen vermeiden
den Eisenhaushalt aufstocken – bei hohem Blutverlust super
die Leistung steigern
helfen, den Uterus zurückzubilden
postnatalen Blutungen reduzieren
die Erholungszeit beschleunigen
Alterungsanzeichen hinauszögern.

Wow, ganz schön viel, oder? Es scheint fast, als wäre die Plazenta ein wahres Wundermittel.

Bei Samuels Schwangerschaft habe ich über die Plazenta gar nicht nachgedacht. Ich bekam sie nach seiner Geburt und dann wurde sie in der Klinik entsorgt. Fertig. Nun, mit der anstehenden Hausgeburt, bin ich gezwungen, mir über dieses Lebens spendende Organ Gedanken zu machen, schließlich muss ich entscheiden, was nach der Geburt mit meiner Plazenta passieren soll. Der Plazenta des Avocado-Babys. Ich habe erst überlegt, sie einfach zu entsorgen, dann dachte ich darüber nach, einen Lebensbaum auf ihr zu pflanzen. Aber dann haben immer mehr Menschen in meinem Umfeld davon berichtet, dass sie ihre Plazenta gegessen haben – und ich muss zugeben, ich fand das ganz schön eklig. Dann hat mich dieses Thema aber so neugierig gemacht, dass ich mehr darüber wissen wollte.

Dyana von Call It Cool war einer dieser Menschen und ist bereit, ihre Erfahrungen mit euch zu teilen. Danke dafür!

Das Geheimnis der Geburt meines Sohnes

Ich habe meinem Freund versprochen, es niemandem zu erzählen. Er hat mich mit riesigen Augen angesehen und den Kopf geschüttelt.

Unser Sohn ist zu Hause geboren, eine geplante Hausgeburt. Wir waren gut vorbereitet, hatten viele Videos gesehen, in Foren gelesen, fühlten uns gut und sicher bei der Entscheidung, dass unser Kind zu Hause zur Welt kommt.
Am Tag der Geburt rechneten wir allerdings nicht damit und waren überrascht. Wir  dachten an Senkwehen, der Kühlschrank war leer, der berufliche Stress meines Freundes auf dem Gipfel, ich eigentlich nicht bereit Heute ein Kind zu bekommen. Und trotzdem sind wir an diesem Tag Eltern geworden.

Der Name war klar, die notwendigen Utensilien parat, es war an alles gedacht, der Kinderarzt informiert.

Die Plazenta nimmt die Hebamme mit, oder?

Nur an die Plazenta, an die hatten wir nicht gedacht. Wir hatten uns einfach keine Gedanken gemacht. Ich frage mich im Nachhinein, wie das passieren konnte, schließlich war uns, zumindest mir, weil ich schon eine Menge Geburten live miterlebt hatte, klar, dass die Plazenta ein stattliches Ding ist.

Mit der Geburt der Plazenta (Geburt, weil ich finde, dass es der einzige passende Ausdruck ist, wertschätzend, hochachtungsvoll) tat sich mein Körper schwer. Ich denke, ich wollte unterschwellig nicht loslassen, ein Stück dieser schönen Zeit behalten, so lange es ging. Das tat ich. Erst als die Hebammen nach einer wirklich langen Zeit meinten, dass sie jetzt wirklich geboren werden müsse, konnte ich loslassen. Gemeinsam schauten wir uns unsere Plazenta an. Oder meine, oder Hannos? Ich war überwältigt, total fasziniert und so voller Liebe für dieses vollkommene Ding, dass ich sie anfassen und befühlen musste und weinte, weil ich mir keine Gedanken darüber gemacht hatte, was mit der Plazenta geschieht. Ich wollte sie nicht einfach entsorgen, sie gehörte gefühlsmäßig dazu – gut, eine Lotusgeburt würde mir wahrscheinlich zuviel werden, aber nachvollziehen kann ich die Frauen. Sie nährte mein Kind, war irgendwie auch Lebensspender, aus den gleichen Zellen wie mein Baby, eine Zelle wurde zum Kind, eine andere zur Plazenta. Warum hatte ich mir das nicht bewusst gemacht? Vorher. Ich befühlte sie, schaute mir alles genau an, die Fruchtblase, das Geflecht von Blutgefäßen.

Ein Stück musste ich behalten.

Meine Hebammen fragten mich, ob ich ein Stück Plazenta essen wolle, sie enthielt sehr viele Nährstoffe, sagte sie, würde mir Kraft geben im Wochenbett. Ich stellte die Frage zurück, „Würdest du es tun, wenn es deine wäre?“ Strahlend antwortete sie, dass sie ihre Plazenta ganz essen würde. Mein Freund sagte nur, „Das tust du aber bitte nicht!“

Natürlich tat ich es, ich war euphorisch von der Geburt. Ich hätte fast alles getan. Ich bin froh darüber. Ich würde es immer wieder tun. Es war nicht ekelig, es war nicht schlimm, es war mehr ein Ritual. Eins, dass ab jetzt zu meinem Gebären gehören würde.

Wir saßen zu viert auf dem Bett, die Plazenta in unserer Lieblingssalatschüssel in unserer Mitte. Annika schnitt das schönste Stück heraus und gab es mir. Ich aß es, es war ein schönes Gefühl, ich fühlte mich irgendwie versöhnt. Jetzt konnte ich sie gehen lassen, unsere Plazenta, die so wichtige Arbeit geleistet hatte.

Wusstet ihr, dass man pro Jahr eine Plazenta im Hausmüll entsorgen darf? Für mich spricht diese Regelung ganz klar dafür, dass es etwas völlig Normales ist, sein Kind Zuhause zur Welt zu bringen, oder? Warum sonst sollte es so eine Regelung geben?

In der Plazenta steckt Kraft, die man nutzen sollte

Sollte ich nochmal ein Baby bekommen und eine Plazenta gebären, weiß ich genau, was ich mit der Plazenta machen werde. Ich werde sie in meinem Garten vergraben und einen schönen Baum darauf pflanzen, einen, der zu meinen Kindern passt. Der Baum gehört dann auch Hanno, er hat ja leider keinen Plazentabaum. Außerdem werde ich Globulis daraus herstellen lassen. Davon habe ich nur Gutes gehört. Die Globulis sind sogar auch für Geschwisterkinder verwendbar. Ich werde noch mehr versöhnt damit sein, dass Hannos Plazenta einfach weg ist.

Danke, liebe Dyana, dass du deine Gedanken mit uns teilst. Yoga, Biolebensmittel, Stoffwindeln, Tragen, Langzeitstillen sind teilweise relativ normal geworden heutzutage… aber die eigene Plazenta essen!? Das überschreitet scheinbar bei vielen Menschen eine Grenze. Allerdings ist es eigentlich gar nichts unnatürliches – im Tierreich ist es völlig normal, die Plazenta zu essen. Ich selbst hatte ebenfalls vor, ein Stück Plazenta zu essen, um die Nachwehen zu lindern – die Vorteile scheinen mir enorm. Niklas hat Mios Plazenta aber recht schnell in den Froster wandern lassen, was ich später bereut habe, denn ich habe sehr unter den Nachwehen gelitten. Bei meiner nächsten Geburt werde ich es Dyana ganz sicher gleich tun. Ich überlege übrigens, ob ich aus meiner Plazenta Globuli herstellen lasse – das finde ich nämlich absolut gar nicht eklig, sondern sinnvoll.

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Alles Liebe,
eure Jasmin

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kerstin sagt:

    Hallo Jasmin!
    Ich lese heute zum ersten Mal von dem neuen Trend, die Plazenta zu essen.
    Mich würde noch interessieren, wie du mit der Problematik umgehst, dass die Plazenta ja auch eine Filterfunktion für das Ungeborene im Mutterleib hat und du über das Essen der Plazenta möglicherweise Schadstoffe zu dir nehmen könntest und diese über die Muttermilch an Mio im Nachhinein weitergibst? Hat die Hebamme auch davor gewarnt?
    Liebe Grüße, Kerstin!

    1. Hi Kerstin, man isst nur von der Seite der Plazenta, die diese Giftstoffe nicht enthält 🙂 LG Jasmin

  2. Diggidi sagt:

    Ich finde daran garnichts ekelig,sie hat 9 Monate unser Kind ernährt!wir Haven ein Organ erschaffen…eine komische Vorstellung,ja das kann ich nachvollziehen 😉 ich würde aber nie,wie dyana,ein großes Stück rausschneiden und essen,ich Werde mir ein Stück in den Smoothie hauen die ersten Tage 🙂

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