Die einzige große Überraschung des Lebens…

Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen. – Pearl S. Buck

Unser Leben ist durchgetaktet. Strikt geplant, vielleicht auch mal etwas durcheinander. Aber eigentlich haben wir doch immer einen Plan. Im Familienplaner an der Küchentür stehen alle Termine fein säuberlich aufgelistet und für Spontanität bleibt meist nicht viel Raum.

Bevor ich das erste Mal schwanger wurde, empfand ich die Idee sich vom Geschlecht des Babys überraschen zu lassen wundervoll. Meine Eltern haben das bei meinen Geschwistern ebenfalls gemacht und ich konnte, wenn sie davon erzählten, in ihren Augen ablesen, dass es einer der besondersten Momente ihres Lebens war, als das Kind dann schließlich geboren war. Ich liebe Überraschungen! Deshalb entschieden Niklas und ich bei meiner ersten Schwangerschaft auch, dass wir diesen Zauber ebenfalls erleben wollten. Und ich sage euch: es war wunderschön. Einer der magischsten Momente in meinem Leben. Als mein kleiner Samuel mir auf die Brust gelegt wurde und ich endlich wusste: wir haben einen Jungen, da war ich vollkommen glücklich. Bei meiner Fehlgeburt ging das Kind ab, ohne dass wir Zeit hatten das Geschlecht zu erfahren. Diese Tatsache hat mich lange beschäftigt. Ich wollte so gerne von meinem Kind sprechen, es mit einem Namen ansprechen und wusste ja nicht einmal, ob es ein Mädchen oder ein Junge gewesen war. Ich konnte dem Kind keinen Namen geben und mich so richtig verabschieden. Das ging mir lange Zeit sehr nahe. Vielleicht dachte ich deshalb plötzlich anders darüber. Als ich diesmal den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, war ich mir nämlich gar nicht mehr so sicher, ob ich mich wieder überraschen lassen will.  Ständig kreisten meine Gedanken um das Geschlecht unseres Babys. Trage ich einen Jungen oder Mädchen unter meinem Herzen? Wie wird das Kind wohl sein? Und obwohl ich Überraschungen liebe, plane ich auch gerne. Mit dem Wissen um das Geschlecht würde ich vielleicht das Kinderzimmer anders gestalten oder das ganz besonders süße Blümchenkleid einfach kaufen, statt nur drum herum zu schleichen.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr wollte ich das Geschlecht wissen. Wie oft habe ich schon gehört, dass Mütter besser in der Lage waren ihr Baby vor der Geburt kennen zu lernen, weil sie es beim Namen nennen konnten. Oder weil sie die Farbe der Zimmereinrichtung abstimmen konnten. Oder weil es eine Babyparty, dekoriert in den richtigen Farben, geben konnte. Einfach, weil das Leben planbar wurde. Aber gleichzeitig wurde mir bewusst: es ist eine der einzigen Überraschungen des Lebens.

Als der Termin des zweiten Screenings näher rückte, wurden diese Gedanken nochmals ganz besonders intensiv. Während ich einerseits ängstlich war, herauszufinden, ob mein Baby gesund ist, muss ich zugeben, dass ich andererseits auch immer im Hinterkopf hatte, wie ich mich wohl entscheiden würde. Würden wir das Geschlecht herausfinden wollen? Wären Niklas und ich uns dabei einig? Wir sprachen oft abends darüber, während wir eingekuschelt nebeneinander auf der Couch lagen. Niklas hatte seine Hand auf meinen Bauch gelegt und spürte die Tritte unseres ungeborenen Kindes. Du bekommst ein Mädchen, sagte er immer wieder. Und trotzdem wollte er sich bis zur Geburt überraschen lassen. Nur sein Bauchgefühl blieb stets das selbe. Je mehr wir darüber sprachen, desto mehr nahm ich wahr, wie viel es für ihn bedeutete.  Meinen Drang es doch wissen zu wollen unterdrückte ich in diesem Moment, denn meistens bin ich nämlich diejenige, die so lange auf Niklas einredet, bis er nachgibt. Deshalb versuche ich, wenn er eine feste Meinung zu etwas hat, inne zu halten und seinen Wunsch zu respektieren. Und so war es auch diesmal. Ich hatte dieses Bauchgefühl, dass es an der Zeit war, Niklas voll zu vertrauen und auf seine Wahl zu hören. Als unser großer Ultraschall immer näher rückte, waren wir schließlich einer Meinung. Wir wollten wirklich damit warten es herauszufinden. Wir waren uns einig, dass wir die Aufregung der Überraschung noch einmal erleben möchten, so wie damals bei unserem ersten Kind.

In so vielerlei Hinsicht war ich lange sehr zerrissen über unsere Entscheidung, ob wir das Geschlecht unseres Babys herausfinden sollten. Denn auf der einen Seite wollte jede Faser meines Körpers das Geschlecht wissen und mit dem Nestbaubetrieb beginnen. Ich wollte gerne süße Kleidung kaufen, den passenden Namen auswählen und das Babyzimmer entsprechend einrichten. Total Klischee eben. Aber ein anderer Teil von mir liebt die Spannung und Aufregung, das Geschlecht nicht zu wissen, es erst bei der Geburt herauszufinden. Ein Teil von mir sehnt sich nach dem Beginn der Geburt und der freudigen Verkündung ob wir ein Mädchen oder einen weiteren Jungen willkommen heißen dürfen.

Überraschender Weise fühlte ich mit dem Fällen der Entscheidung Entspannung. Ich beginne, eine Leichtigkeit über meine Reise durch die Schwangerschaft wahrzunehmen, die ich so bislang noch nicht empfunden habe. Ich fühlte eine Leichtigkeit über das Leben. Über die Überraschung, die es bietet. Zum ersten Mal lasse ich los, mache mich frei von meinen Erwartungen und Ängsten. Ich fange an, mich weniger um all die Dinge zu kümmern, die ich sowieso nicht beeinflussen kann, und ich fühle mich mehr und mehr ganz bei mir selbst, konzentriere mich auf den Augenblick – nicht auf die Zukunft. Das Baby und ich gehen nun zusammen auf die Reise der Ungewissheit, denn es weiß schließlich auch nicht, wen es hier draußen kennen lernen wird. So fühle ich mich nun auf eine ganz besondere Art und Weise mit meinem Kind verbunden. Ich trage also diese kleine unschuldige Wesen unter meinem Herzen, das sein eigenes kleines Geheimnis in sich birgt und genieße die Vorfreude auf den Sommer, wenn ich es endlich kennen lernen darf.

Und wenn ich ehrlich bin, ist das Geschlecht des Kindes doch völlig unwichtig. Was zählt, ist die Persönlichkeit. Ein Mädchen kann ein Prinzessinnenmädchen sein oder ein Räubermädchen. Und Jungs hingegen müssen nicht immer Raufbolde sein. Unser Samuel, beispielsweise, ist eher sanft und liebt Puppen. So what? Es steckt so viel in meinem Kind, es gibt so viel, was es ausmacht! Charakterzüge, Eigenschaften, liebenswertes – dabei ist das Geschlecht doch wirklich vollkommen schnuppe!

Was denkt ihr? Würdet ihr euch überraschen lassen? Warum nicht?

Alles Liebe,
eure Jasmin


8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anne sagt:

    Wir haben uns 3x überraschen lassen und ich würde immer wieder so entscheiden. Häufig hörte ich: “Ehrlich? Das könnte ich nicht aushalten!”, “Dann müsste ihr ja 2 Namen aussuchen” oder “Wollt ihr das nicht wissen?”. Wir hatten immer einen Projektnamen mit dem wir das Baby ansprachen. Genießt die Spannung! Süße Babykkamotten gibt es zu jeder Zeit, da läuft nix weg.

    1. Das glaube ich auch! Diese Sätze höre ich ständig und bald kommen sie mir zu den Ohren raus 🙂

  2. datmomo sagt:

    wir haben uns auch überraschen lassen. zum einen weil die gesellschaft das irgendwie nicht mehr kann oder auch das akzeptieren kann – der ungläubige gesichtsausdruck bei verkäufern und verwandtschaft zeigte das, vor allem aber, weil ich wusste, so würde ich der geburt eher entgegenfiebern können als ängstlich zu sein. zum dritten, weil es für mich wirklich keine rolle spielte.
    das mit dem ansprechen, kann ich nachvollziehen, aber was hindert dich daran, jetzt schon (bei uns war es mit dem ersten wissen) einen spitzennamen zu vergeben? bei uns war es krümel und das ist bis heute geblieben. meine tochter ist weiterhin mein krümelchen, mein krümelkind. gut, ja, natürlich hat sie auch den tollsten namen, aber den krümel konnte mir niemand nehmen… das ist unser liebevolle name für unsere maus.
    und da gibt’s sooo viele möglichkeiten…

  3. Marianne sagt:

    Ich bin aktuell in der 30. Ssw und weiß nicht, was es wird. Was aber unser Umfeld nicht versteht. 🙁 Teilweise können Menschen richtig gemein sein. Ob wir wissen, was wir unserer Großen (6,5 Jahre) da antun. Sie könne sich garnicht aufs Baby vorbereiten.

    1. datmomo sagt:

      na das ist doch quark. jahrhundertelang mussten das eltern und geschwister aushalten und in den meisten fällen mögen die grossen schwestern/brüder ihre kleinen geschwister. man muss doch nur erklären was passiert und sie nach der geburt auch in fast alles einbeziehen…
      nur weil man es jetzt wissen kann, muss man doch nicht!

  4. Sandra sagt:

    Das Geschlecht ist ja nun nicht die einzige Überraschung. Wir haben bewusst auf 3D und extra Ultraschall verzichtet, weil wir uns mit dem Aussehen überraschen lassen, denn das ist ja auch spannend, finde ich. Den Charakter kann man evtl erahnen durch den Bauchtanz, aber wie das Kind wird, weiß man nicht.
    Wir wollten gerne das Geschlecht wissen, weil wir uns tatsächlich früh mit den Namen beschäftigen wollten. Mal schauen, wie es in etwa 6 Wochen sein wird, wenn wir die kleine Dame dann in den Armen haben 😉

  5. Caren sagt:

    Bei unserem Sohn Finn haben wir uns das Geschlecht sagen lassen. Am Liebsten hätte ich es damals schon in der 12. SsW gewusst. Wenn ich wieder schwanger sein sollte würde ich es schon gerne dieses Mal nicht wissen was es wird. Aber mein Mann zieht da nicht mit. Ich finde die Vorstellung total schönen selbst am Tag der Geburt überrascht zu werden. Mal sehen wie es kommen wird ?

  6. Nadine sagt:

    Find ich gut, würde ich glaube ich auch so machen.
    Aber ob es dann auch wirklich so gemacht wird zeigt sich, wenn es mal soweit ist 🙂

    Ein Baby braucht die ersten Monate eh nicht viel, da tun es neutrale Farben. Und wenn einem die Fragerei auf den Keks geht kann man ja dann immernoch Mützchen und/oder Handschuhe oder weiß der Geier was in aussagekräftigen Farben kaufen, um die sture Gesellschaft da draußen zu befriedigen, auf dass sie einen einfach in Ruhe lässt 😉

    Alles Gute für die restliche Kugel-Zeit!

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