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Weltreisefamilien vermitteln in den sozialen Medien ein sehr idyllisches Bild. Die Kinder spielen den ganzen Tag am Sand und man ist glücklich, man hat ja sich und viele neue Abenteuer, die es zu erleben gilt. Tatsächlich stehen Familien vor so einigen Herausforderungen, wenn sie ihr Zuhause aufgeben und auf Weltreise gehen. Vor allem mit Kindern im schulpflichtigen Alter kann das manchmal etwas schwierig sein. 
Alexandra von Sumpfkinder hat das Projekt Weltreise trotzdem gewagt und gleich zwei schulpflichtige Kinder dabei. Heute erzählt se euch, wie sie es mit dem Lernen handhaben und was die Schule eigentlich dazu sagt, dass die Kinder nun nicht mehr kommen. 

Im Juli dieses Jahres haben wir uns den Traum einer Weltreise erfüllt und reisen als Familie für sieben Monate ein Mal um die Welt. Wir, das sind mein Mann Andreas und ich und mit dabei sind natürlich auch unsere Kinder: Bella (15), Leonas (9) und Janis (5).

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Wie ihr euch denken könnt, sind unsere beiden älteren Kinder schulpflichtig, denn in Deutschland herrscht seit 1919 Schulpflicht. Das bedeutet, dass jedes Kind im Alter ab etwa 6 Jahren dazu verpflichtet ist, eine Schule zu besuchen. Da wir keine Beurlaubung seitens der Schulbehörde bekommen haben, sind unsere Kinder in Deutschland abgemeldet und werden nach der Reise wieder eine Schule in unserer Heimatstadt besuchen. Leonas die 4. Klasse der Grundschule und Bella die 10. Klasse eines Gymnasiums. Janis geht wieder in seinen geliebten Kindergarten. Bella lernt in einem gewissen Rahmen selbstständig, wird aber das Schuljahr nächstes Jahr voraussichtlich wiederholen. Sie hat auf dem Gymnasium in der Oberstufe viele neue Fächer und eine weitere neue Fremdsprache.

Bei Leonas haben wir uns für das Homeschooling entschieden. Das bedeutet, wir unterrichten ihn selbst. Unser Ziel ist es ihm den Einstieg in die Schule nach der Reise zu erleichtern, möglichst ohne Defizite. Im Vorfeld der Reise bekamen wir von der Klassenlehrerin einen groben Überblick über die Inhalte des Lernstoffs in den Fächern Mathematik, Deutsch und Sachkunde. Wir besorgten uns die Bücher und zusätzlich einige Übungshefte. Mit 4 Kilogramm Schulbüchern im Rucksack startete unsere Reise am 16. Juli.

Die ersten drei Wochen gab es keine Lernzeit. Wir reisten mit Dachzelten durch Namibia und lebten auf vier Quadratmetern, stets umgeben von Wüstensand und Staub.

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An unserem nächsten Ziel, in Costa Rica, beendeten wir die Sommerferien und starteten mit der Schulzeit. Zunächst lernten wir ohne feste Zeiten und ohne eine bestimmte Dauer. Meistens kam Leonas auf mich zu und fragte nach Lernzeit. Dieses selbstbestimmte Lernen gefiel ihm. Er bestimmte das Fach, den Zeitpunkt und das, im gewissen Rahmen vorgegebene, Thema. Wenn wir länger an einem Ort blieben, verteilten wir die Lernzeit auf eine Stunde am Morgen und bis zu zwei Stunden am Abend. Es gab natürlich auch Tage, an denen Leonas überhaupt keine Lust hatte. Dann musste ich abschätzen, ob und wie lange wir aussetzen konnten ohne hinterher zu viel aufholen zu müssen.
Immerhin ist ein gewisser Druck da und ich habe die Verantwortung dafür übernommen, dass er seine Lernziele bis Februar erreicht. Jetzt, nach 3 Monaten Homeschooling kommen wir aber ganz gut voran. Wir haben mittlerweile das Mathematik Buch bis Seite 56 durchgearbeitet und samt Heft nach Deutschland zurück geschickt. Zum Vergleich: seine Klasse arbeitet momentan an Seite 9. Die Themen werden wir in der nächsten Zeit nochmal ganz in Ruhe im Förder- und Arbeitsheft wiederholen und konzentrieren und jetzt auf das Fach Deutsch. In allen Fächern bekommen wir, zusätzlich zu unseren mitgebrachten Büchern und Heften, jede Woche alle in der Klasse verteilten Arbeitsblätter, Übungen, Lernwörter und Klassenarbeiten. Allerdings von einer lieben Mama eines Mitschülers, die sich darum kümmert, nicht von der Schule.

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So habe ich auch bei den anderen Fächern einen kleinen Überblick und Leonas’ Bereitschaft zu lernen ist allgemein sehr schwankend. Mal ist er total motiviert, mal herrscht bei uns beiden Frust. Das gehörten dazu und ist zu Hause auch nicht anders. Selbst wir Erwachsenen müssen uns manchmal aufraffen, um etwas zu tun, warum soll es den Kindern anders gehen? Es ist auch ein großer Unterschied, wenn eine ganze Klasse gemeinsam etwas erarbeitet. Da käme er nie auf die Idee zu sagen: „Darauf habe ich jetzt keinen Bock!″ Es ist selbstverständlich. Aber hier bin ich diejenige, die für die Motivation sorgen muss. Ich kann euch sagen, dass das nicht immer einfach ist.

Es gibt aber auch viele positive Seiten am Homeschooling. Durch diese eins zu eins Betreuung habe ich immer eine Vorstellung davon, was Leonas über ein bestimmtes Thema weiß oder halt auch nicht und kann umgehend auf Defizite eingehen. Um ihm das Lernen zu vereinfachen, wechseln wir manchmal das Thema mitten in der Aufgabe und er wiederholt Aufgaben in einem Thema welches ihm Schwierigkeiten bereitet. Wir können so lange in einem Thema verweilen, wie Leonas Zeit braucht, es zu verstehen.
Ich unterrichte ihn nicht im klassischen Sinne. Durch die drei Jahre an einer Schule hat er gewisse Grundlagen in den Fächern Deutsch und Mathematik. Er kann mit Hilfe von Büchern auf seinem Wissen aufbauen. Das bedeutet, er sucht sich ein Thema aus und erarbeitet es selbstständig. Es motiviert ihn es selbst zu erlernen. Ich bin dabei, beobachte und begleite ihn und stehe bei Fragen zur Verfügung oder helfe ihm, indem ich selbst Fragen zum Thema stelle und es mir von ihm erklären lasse. Ich bewerte ihn nicht, da ich seine Fähigkeiten nicht mit den anderer Kinder vergleichen muss und auch das gibt ihm mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein beim Lernen.

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Zu den eigentlichen Schulaufgaben lernt er auf Reisen natürlich noch einiges mehr. Englisch lernt er ganz nebenbei und der Unterricht in Sachkunde richtet sich ausschließlich nach seinen Interessen. Es ist für uns sehr spannend zu entdecken was ihn tatsächlich brennend interessiert. Themen, für die zu Hause wenig Zeit ist, da die Schule und die Hobbies schon viel von seinem Tag einnehmen oder er einfach zu müde ist, um weitere Informationen aufnehmen zu können. Die Zeit auf Reisen schafft Raum für viele neue Interessen. Ein gefallener Komet in Afrika, die größte Sanddüne der Welt, wie baut man Häuser aus Kuhmist, von der Kakaobohne zum Schokoriegel, der Regenwald in Costa Rica, ein aktiver Vulkan auf Hawaii, Lava, das Klima, die vielen Tiere, die Armut und die Schönheit dieser Welt und fremde Kulturen, das sind alles Erlebnisse die ihn für sein Leben prägen, ihn vor Ort begeistern und interessieren. So fällt Lernen leicht und es bleibt im Kopf.

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Immer wieder treffen wir im Zuge unserer Reise auf Familien aus aller Welt die ihre Kinder selbst unterrichten. Und immer wieder sind diese sehr erstaunt, dass Homeschooling in Deutschland nicht erlaubt ist. Für uns ist es definitiv eine interessante Erfahrung und die Mühe wert. Auf Dauer, nach der Weltreise, wäre es für uns aber keine Alternative, abgesehen davon, dass es in Deutschland nicht erlaubt ist, bedarf es vor allem an viel Zeit. Es würde unseren Tagesablauf grundlegend ändern und das Ausüben eines Berufes wäre für mich nicht mehr möglich. Zudem gehen unsere Kinder sehr gerne zur Schule. So gerne, dass wir gemeinsam beschlossen haben, sie im Zuge unserer Weltreise eine Schule in einem fremden Land besuchen zu lassen. Sie freuen sich sehr darauf, ganz besonders Janis kann es kaum erwarten, denn er wird dort in die 1. Klasse eingeschult.

Mehr zum Thema Schulpflicht könnt ihr auf Alexandras Blog Sumpfkinder nachlesen.

Schulpflicht – wie vereinbart man das mit einer Weltreise

Und nun erzählt mal: könntet ihr euch eine längere Reise mit euren Kindern vorstellen, bei der ihr die Kinder von zu Hause aus unterrichtet? Oder findet ihr das zu anstrengend? Würdet ihr eure Kinder lieber vor Ort auf eine internationale Schule schicken? Ich bin gespannt. Ich als angehende Lehrkraft kann mir  übrigens sehr gut vorstellen, mit meiner Familie ortsunabhängig zu sein und meine Kinder entweder selbst zu unterrichten oder sie auf eine internationale Schule zu schicken.

Alles Liebe,
Jasmin