Die letzten Tage der Schwangerschaft >> Geburtsbericht Teil 1

Montag, 19. Juni 2017, heute ist der Tag des errechneten Entbindungstermins. Ich habe mir keine Hoffnung gemacht, dass unser Baby pünktlich kommt – Samuel habe ich ebenfalls um einiges übertragen und ich habe mal etwas davon gehört, dass jede Frau ihre eigene Tragezeit hat. Also bin ich völlig entspannt, als meine Hebamme morgens zur Vorsorge kommt.

Seit einigen Tagen, ja fast schon Wochen, habe ich Senkwehen, der Bauch ist bereits ein ganzes Stück nach unten gerutscht, aber es tut sich einfach nichts weiter. Wir besprechen, dass wir erstmal ganz entspannt bleiben, schließlich geht es mir und dem Baby ausgesprochen gut. Ich bin fit, fahre sogar an diesem Tag noch Fahrrad und fühle mich noch nicht so richtig bereit für das Baby. Meine Hebamme ist der Meinung, dass das Baby das spüren kann und sich erst auf den Weg macht, wenn mein Körper die entsprechenden Hormone aussendet. Sie überlässt mir Ut-Öl, mit dem ich mir vor Ausflügen den Bauch gut einmassieren soll. Dieses regt wohl zusätzlich noch die Gebärmuttertätigkeit an. Außerdem soll ich weiterhin meine Miederhosen tragen, damit der Bauch und das Baby in Position gehalten werden und der Kopf mit vollem Gewicht senkrecht auf den Muttermund drücken kann. Wir verabreden uns also für ET+6 und sie fährt wieder nach Hause.

Ich hingegen schnappe mir Samuel und fahre auf den Spielplatz. Ja, mit Rad und Anhänger. Das muss für jeden Außenstehenden sehr witzig aussehen, wie ich da keuchend auf dem Rad sitze, die dicke Kugel pastt gerade so vor den Lenker. Auf dem Spielplatz treffen wir eine Freundin mit ihrem Sohn und ihrer neugeborenen Tochter. Da kommen dann bei mir doch so langsam Sehnsuchtsgefühle auf. Verdammt, ich will jetzt mein Baby haben.

Donnerstag, ET+3. Laut Richtlinien ist eine ärztliche Vorsorge bei ET+3 notwendig damit ich weiterhin zu Hause entbinden darf, sonst ist die Hebamme nicht mehr versichert und die Kosten für die Geburt werden von der Krankenkasse nicht übernommen. Ich wache jedoch an diesem Donnerstag mit heftigen Kopfschmerzen auf und muss mich erst nochmal hinlegen.
Somit sind wir erst gegen 14 Uhr in der Klinik zur Vorstellung im Kreißsaal. Ich soll ins CTG-Zimmer und dort ein CTG schreiben lassen. Für mich ist das zum einen total schön – ich hatte ja in dieser Schwangerschaft noch kein CTG und andererseits kenne ich natürlich die Routine in der Klinik und weiß, dass wir da jetzt erstmal eine ganze Weile bleiben müssen bis alle Untersuchungen durch sind. In die Klinik sind wir übrigens an dem Tag nur, weil mein Gynäkologe keinen Termin mehr frei hatte.

Im CTG-Zimmer werde ich angeschlossen, bekomme ein Wasser und dann heißt es warten. Niklas und Samuel begleiten, was schön ist. Samuel brabbelt direkt etwas von “Baby” und das macht mich glücklich. Ganz im Gegensatz zu allem anderen. Das Zimmer ist nämlich nicht klimatisiert und gleicht somit einer Sauna (ich glaube es hat draußen 36 Grad und die Sonne knallt total durch die Fenster). Ziemlich schnell sind wir alle verschwitzt und hängen total in den Seilen. Irgendwann schlafen wir alle drei ein. Naja, eigentlich alle vier, denn das Baby in meinem Bauch scheint den Herztönen nach zu urteilen ebenfalls zu schlafen. Als nach 45 Minuten die Hebamme kommt, um nach mir zu sehen, ist sie jedenfalls vom CTG absolut nicht begeistert und warnt uns bereits vor, dass das CTG definitiv nochmal geschrieben werden muss, um auszuschließen, dass es dem Baby schlecht geht.
Vorher soll ich aber zum Ultraschall. Puh, ebenfalls aufregend, davon hatte ich ja auch nur einen in der 20. Woche. Wir warten also geduldig auf die Ärztin und werden dann ins Untersuchungszimmer gebeten. Dort warnen wir die Ärztin erstmal vor, dass wir auf keinen Fall über das Geschlecht unseres Kindes informiert werden wollen. Sie findet das ungewöhnlich, stimmt aber zu, dass sie den Gedanken ebenfalls sehr schön findet, sich in dieser Hinsicht komplett überraschen zu lassen. Dass wir allerdings auf jegliche ärztliche Vorsorge (bis auf das zweite Screening) gänzlich verzichtet haben, findet sie etwas komisch. Ich denke da kommt einfach die Medizinerin in ihr durch. Wir erklären ihr, dass das für uns definitiv die richtige Entscheidung war und es uns ja auch allen gut geht. Dann schallt sie. Was sie schallt, verblüffte uns. Da ist ein 3900 Gramm-Baby mit 56 Zentimetern. Puh! Was ein Brummer. Irgendwie können wir das gar nicht glauben. Meine Hebamme hatte nämlich am Montag die Avocado beim Abtasten noch auf 3300 Gramm geschätzt.

Die Ärztin schallt weiter und kann für uns sogar noch einen super süßen Moment einfangen. Unser Baby ist scheinbar ein kleines Daumenlutscher-Baby und wir bekommen davon sogar ein Beweisfoto. Dann soll ich wieder ans CTG. Diesmal darf ich aber in einen klimatisierten Kreißsaal – was ein Glück. Genau genommen ist es für mich DER Kreißsaal – ich habe nämlich genau dort vor knapp zwei Jahren unseren Samuel geboren. Niklas und ich fühlen uns direkt in diesen Moment zurückversetzt und müssen schmunzeln. Diesmal klappt es auch mit dem CTG besser. Die Herztöne sind toll zu sehen und es werden sogar einige regelmäßige aber leider nicht besonders starke Kontraktionen aufgezeichnet.

Abschließend schaut sich der Arzt nochmal alles an und gibt das OK, dass ich nach Hause gehen darf. Größe des Babys, meine Verfassung und auch ausreichend vorhandenes Fruchtwasser sprechen dafür. Allerdings bekomme ich die Empfehlung mich nun jeden zweiten Tag in der Klinik vorzustellen, um alles engmaschig zu kontrollieren.

Schließlich werde ich dann nach knapp fünf Stunden (ja, das ist mein Ernst!) mit guten Wünschen und einem “bis bald, Frau Nimmerland” verabschiedet. Als wir dann der Hebamme sagen, dass wir nicht vor haben, wiederzukommen, sondern unser Baby zu Hause zu gebären, reagiert diese total positiv. Sie freut sich richtig, dass wir den Mut dazu haben und wünscht uns das Allerbeste. Das fühlt sich richtig gut an und bestärkt uns in unserem Vorhaben nochmal enorm.

Zu Hause angekommen sage ich sofort meiner Hebamme Bescheid. Wir beschliessen, den Termin von Sonntag auf bereits den nächsten Tag abends zu verlegen und sanft die Geburt zu begünstigen. Es gibt nämlich so einige Hausmittel, die einen Geburtsbeginn hervorrufen können…

Alles Liebe,

eure Jasmin

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. HEIKE sagt:

    Hallo Jasmin,
    Dein Beitrag hat mir sehr gefallen, ich bin natürlich schon gespannt , wie es weitergeht.
    Dass du vor der Geburt nochmal mit dem Rad unterwegs warst, hat mich damals schon in deinem Post beeindruckt .
    Überhaupt die Schwangerschaft ohne ärztlichen “Beistand” und die Hausgeburt – Hut ab für diese Entscheidung!

    Liebe Grüße
    Heike

    1. Hallo Heike, vielen Dank. Ja, ich war wohl wirklich noch recht sportlich unterwegs 😀 Lg Jasmin

  2. Oh das war ja spannend auf die letzten Tage. Habe mich in einigem wiedererkannt – Radfahren bis zum Termin, am Tag als die wehen losgingen mit 2 Kids im Anhänger und 1 auf dem Sitz wie jeden Tag vom Kindergarten nachhause (sicher ein schönes Bild ;-)) und auch Gewichtsschätzung und fast nur hebammenbesuche und die Reaktionen der Ärzte darauf, kenne ich. Leider mussten wir auf Grund von Komplikationen bei den ersten beiden Geburten im Krankenhaus gebären. Bin gespannt, wie es weitergeht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.