Dass wir umziehen möchten, stand in dem Moment fest, als wir den positiven Schwangerschaftstest im Oktober in Bangkok in der Hand hielten. Unsere 52-Quadratmeter-Schuhschachtel war für vier Personen einfach zu klein, auf Dauer jedenfalls. Also stürzten wir uns mit der Heimkehr nach Deutschland in die Suche nach einem neuen Zuhause. Vorfreudig, erwartungsvoll und positiv. Ich durchforstete einschlägige Portale, Zeitungen und Facebookgruppen, sagte Freunden bescheid und hielt nach Zetteln an den Laternen Ausschau. Ich schrieb eine Anfrage nach der anderen. Als wir nach sechs Monaten immer noch nichts gefunden hatten, wurden wir langsam ungeduldig. Selbst ein Dreh mit dem ZDF zum Thema Wohnungsknappheit half da nicht, unseren Frust zu schmälern. Mein Bauch wuchs und wuchs und wir wussten nicht, wie wir es anstellen sollten, dass wir uns in unserer kleinen Wohnung wohlfühlen sollten. Irgendwie haben wir es uns dann doch ganz gemütlich gemacht. Unsere alte Couch wich einer viel kleineren, das Babybett wurde abgebaut und wir schafften so viel Platz wie möglich für unser Baby. 

Als unser Mio geboren wurde, in unserem kleinen Wohnzimmer, war das genau richtig. Es war gemütlich und kuschelig, fast schon ein bisschen romantisch, wirklich eine Traumgeburt. Und die sollte unsere kleine Schuhschachtel für immer zu einem besonderen Ort für uns machen. Für viele vielleicht ein komischer Gedanke, aber wenn ihr ein Baby in eurem Zuhause auf die Welt gebracht habt, könnt ihr ihn vielleicht ein kleines bisschen nachvollziehen. 
Schließlich haben wir uns weiter auf die Suche gemacht, mit zwei Kindern. Auf die Suche nach etwas, wo wir uns zuhause fühlen können, das uns nicht einschränkt und bezahlbar ist, schließlich sind wir beide immer noch im Studium. Tja, ganze zwei Jahre hat es gedauert, fast auf den Tag genau, bis wir etwas Passendes gefunden haben. Ein Glückstreffer, spontan und absolut unverhofft. Und dann standen wir da, mit einem Einzugstermin gerade einmal einen Monat voraus. Vier Wochen zum Planen, Kisten packen, aussortieren, entrümpeln, renovieren, umziehen. Eine sportliche Angelegenheit, kann ich euch sagen. Nicht nur, dass wir viel Kram hatten, der eingepackt werden wollte, wir mussten ja auch einen Nachmieter für die alte Wohnung finden, Möbel kaufen – und eine Küche bestellen.

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Ich machte mich also direkt ans Kisten packen. Ungefähr 50 Kisten sollten reichen, dachte ich, das macht gut zehn in der Woche, so meine Berechnung. Ich begann also recht zielstrebig zu packen. Einen Karton nach dem anderen, den meine beiden Räuber nach Lust und Laune wieder auszuräumen versuchten. Definitiv ein Problem einer so kleinen Wohnung: du kannst einfach nirgends Kram hinstellen, ohne dass die Kinder dran kommen. Also habe ich sie kurzerhand zum Helfen verdonnert. Überall, wo ich es ihnen zutraute, bei Büchern, Handtüchern, Kleidung und Spielzeug, durfte sie mit einräumen. Das hat den beiden dann sogar Spaß gemacht und war mir eine Hilfe. Die Kartons stapelten wir und es wurden mehr und mehr – nur irgendwie die Wohnung nicht leerer. Immer noch stand überall Zeug rum. Ich glaube, das ist so ein generelles Problem an Umzügen, anfangs packt man ganz strukturiert. Kisten mit Deko, mit Handtüchern, mit Geschirr, mit Bettwäsche, DVDs, Bücher – alles fein säuberlich sortiert. Und dann hat man am Ende überall diesen Kram, der keine ganze Kiste mehr voll macht und es entstehen “Gerümpel-Kisten” – ich empfehle, wirklich nur die Sachen dort hinein zu tun, die ihr wirklich braucht. Diese Kisten werden euch beim Auspacken so nerven! Ständig sucht ihr einen geeigneten Platz, das richtige Möbelstück, um die Sachen zu verstauen. Diese Kisten machen mich wahnsinnig!

Da wir in eine fast doppelt so große Wohnung ziehen wollten, brauchten wir noch das ein oder andere Möbelstück, hauptsächlich Stauraum. Ein Besuch im Möbelhaus MIT Kindern gleicht übrigens einem Spießroutenlauf. Immer, wenn man meint, etwas gefunden zu haben, ist eins der Kinder dafür weg. Und dann findet es mal zwischen Polstergarnituren und Vorhängen. Brauche ich nicht nochmal. Wirklich nicht. 

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Immerhin waren am Umzugstag wirklich nur zwei unserer Helfer krank (die Krankheitsquote bei Umzügen kennt ihr alle, oder?). Ich hatte die Nacht kaum geschlafen, ob vor Aufregung, oder aus einem anderen Grund, ich weiß es nicht. Aber ich saß die halbe Nacht im Wohnzimmer und genoss die letzten Momente in diesem Raum. Dem Raum, in dem wir die letzten vier Jahre die meisten Erinnerungen gesammelt hatten. Der Raum, in dem unser Avocado-Baby geboren wurde. Unser ZUHAUSE. Am liebsten hätte ich in diesem Moment meine beiden kleinen Mäuse gedrückt und sie ganz lieb gehalten, hätte ihnen gern gesagt, dass unser neues Zuhause ganz wundervoll wird, viel schöner noch als unsere Schuhschachtel.
Morgens ging es dann früh los, die Helfer waren fleißig und motiviert und so klappte alles nahezu reibungslos. Bis auf dass wir die Menge an Kartons und Möbeln doch weit unterschätzt hatten und statt zwei Mal gleich vier Mal hin und her fahren mussten. Am Ende waren wir alle ziemlich erledigt und heilfroh über die warme Kartoffelsuppe meiner Schwiegermutter. Und was waren wir froh, dass sie die Kinder in ihrer Obhut hatte, während wir geräumt, geschraubt, ausgepackt hatten. Vier kleine Wuselfüße in dem Chaos hätten den Stressfaktor beachtlich erhöht.

Als dann alle gegangen waren, wurde mir klar, dass das jetzt unser Heim ist. Unser Heim werden soll. ZUHAUSE. Ein einfaches Wort mit doch sehr viel Tiefgang. Ich bin immer noch wehmütig darüber, dass wir unser altes Zuhause hinter uns lassen “mussten”. Den Ort, an dem unser kleiner Mio zur Welt kam. Das machte unser altes kleines Wohnzimmer für mich zu einem ganz besonderen Raum, an den ich mich immer erinnern werde. Und dennoch bin ich froh, dass wir nun mehr Platz zur freien Entfaltung haben. Froh, dass wir nicht mehr in jeder Schublade Tetris spielen müssen. Froh, dass ich wirklich aufräumen, statt von A nach B räumen kann. Froh über diese Chance, ein neues Zuhause zu schaffen. Auf dem Land, wo die Kinder sich wohl fühlen. Wo wir ein paar Schritte bis zum nächsten Feld laufen. 

Alles Liebe,
Jasmin