Geduld – die wichtigste Eigenschaft einer Mutter?

Als Mama bringt man viele Eigenschaften mit in die Eltern-Kind Beziehung. Manche davon wirft man über Bord, manche reift man über die Zeit aus und manche erlernt man vielleicht erst völlig neu. Wenn ich eine Eigenschaft nennen müsste, die ich durch mein Kind gewonnen habe, dann ist das Geduld.
Wer mich kennt, weiß: ich war vielleicht der ungeduldigste Mensch auf Erden. Noch offene Dinge auf der To-Do-Liste mussten immer sofort getan werden, meine Geschenke zu Weihnachten und zum Geburtstag kannte ich oft schon vorher und ich hatte ständig Hummeln im Po. Seit ich aber Mama bin, lerne ich nach und nach etwas geduldiger mit meinem Umfeld zu sein – aber auch mit mir selbst, wenn Dinge nicht gleich so klappen, wie ich sie mir vorstelle.

Geduld ist eine der wichtigsten Eigenschaften als Mutter

Mit dem Tag der Geburt meines ersten Kindes musste ich lernen geduldig zu sein. Obwohl, wenn ich reflektiert zurück denke, wohl schon in der Schwangerschaft, schließlich wartete ich zehn lange Monate sehnsüchtig auf den Tag, an dem ich mein Kind kennen lernen sollte. Als dann dieser kleine zerbrechliche Mensch schließlich eingekuschelt in meinen Armen lag, musste ich aber weiterhin geduldig sein. Die kleinen Dinge des Alltags erforderten viel Ruhe und Langmut. Ich wartete auf den Milcheinschuss, ich wartete auf das Abfallen der Nabelschnur, auf das erste Lächeln, die ersten Greifbewegungen und das erste kleine Zähnchen. Zugegeben, die Anfangszeit mit Baby hält so viele kleine Freuden bereit, dass das Warten auf all das gar nicht so schlimm war. Es war sogar eher schön, weil es ein ganz wunderbarer Prozess ist, der einem erlaubt beim Aufwachsen des eigenen Kindes zuzusehen und Veränderungen ganz genau wahr zu nehmen.

Aber umso größer unser kleines Rumpumpel wurde, umso öfter wurde ich auf die Probe gestellt und musste mich schwer in Geduld üben.
Beim Essen wollte Samuel schon ganz bald alles selbst machen, weshalb wir mit Baby Led Weaning starteten (auf unserem YouTube Kanal habe ich hier und hier darüber berichtet). Das kostete mich nicht nur viel Kreativität was die Gerichte anbelangt, sondern auch sehr viele Nerven. Nach jedem Essen wäre eine Renovierung der Küche notwendig gewesen und ich wusch fast täglich eine Maschine Wäsche. Aber dieser eiserne Wille meines Sprösslings lehrte mich gleich mehrer Dinge auf einmal. Ich musste geduldig mit ihm sein, ihm immer wieder neue Speisen anbieten, oft lange neben ihm sitzen. Aber ich lernte auch schnell Vertrauen und Zutrauen in die Fähigkeiten meines Kindes zu haben. Und so isst er heute ganz problemlos und fast ohne zu kleckern mit Löffel und Gabel und macht mich bei jeder Mahlzeit unfassbar stolz. Meine Geduld und mein Verständnis haben sich ausgezahlt.

Eine ebenso langwierige aber härtere Geduldsprobe erfordert Samuels Schlaf. Selbst nach nun sechzehn Monaten haben wir keine festen Schlafenszeiten gefunden und Samuel benötigt ganz viel Zuwendung beim abendlichen zu Bett gehen. Mich kostet das ganz viel Kraft, da ich ihn oft mehrmals stillen muss bis er langsam zur Ruhe kommt. An vielen Abenden dauert es weit über eine Stunde, um Samuel in den Schlaf zu begleiten und das obwohl wir ein festes Ritual haben. Gerade an Tagen an welchen ich mir vornehme heute ganz besonders geduldig zu sein, klappt es oft leider doch nicht so gut. Das tut mir später selbst oft leid und wenn Samuel dann irgendwann friedlich schläft würde ich oft zu ihm gehen, ihn sanft drücken und mich dafür entschuldigen, so ungeduldig gewesen zu sein. Natürlich weiß ich, dass mein Sohn sich nicht absichtlich zwei Stunden durchs Bett wälzt. Ich habe an schwierigen Tagen daher einen Satz, den ich mir immer wieder als Mantra sage und dann klappt es auch mit der Geduld besser. Mein Kind braucht heute besonders viel Liebe und vor allem Verlässlichkeit in den Momenten, in denen ich gebraucht werde.

Und noch etwas kommt nun hinzu. Die Wissbegierigkeit unseres Samuels. Er möchte am liebsten die ganze Welt entdecken und alles verstehen. Ganz oft erkläre ich ihm Dinge immer und immer wieder. Dass die Kuh gras frisst, dass Feuer heiß ist und dass aus dem Schornstein Rauch kommt. Es ist unglaublich, dass dieses kleine Wesen jetzt schon so viel versteht und jeden Tag mehr wissen will. Auch wenn Samuel meine Geduld manchmal sehr herausfordert. Dann nämlich, wenn ich ihm zum zwanzigsten Mal erklären muss, dass er niemanden hauen darf. Und wenn ich ihm zum gefühlt zehntausendsten Mal sage, dass er auf seinem Stuhl sitzen bleiben muss, weil er sonst runter fällt und sich weh tut. Und dann, wenn er selbst völlig ungeduldig und verzweifelt ist, muss ich geduldig bleiben und ihn in den Arm nehmen. Aber auch das schaffen wir immer besser, wir üben uns beide in Geduld.

Glücklich sein. Wenn ich glücklich bin und mit mir selbst im Reinen, fällt es mir leichter, ausgeglichen zu sein und meinem Kind die Zeit zu geben, die es braucht. Ich kann geduldig sein, bin nicht gestresst – dafür aber zufrieden. Auch das Kind wird diese positive Resonanz spüren und eine völlig neue Bindung und Liebe zulassen. Es wird sich verstanden fühlen, weil ich ihm gegenüber geduldig bin. Wenn Liebe, Geduld und Sanftmut vorhanden sind, dann ergibt sich vieles von selbst.

Alles Liebe,
eure Jasmin

 

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