Bin ich jetzt öko? >> Wie mich eine Reise veränderte

Früher, ach was sage ich, noch vor einem Jahr konnte ich mir so vieles nicht vorstellen. Ich wollte stillen, vielleicht ein halbes Jahr. Das Kind sollte mit eins in die Kita gehen, in seinem Bettchen schlafen und ich war der Meinung, Kinder sollten in Krankenhäusern geboren werden und in die Schule gehen.

Aber dann wurde ich Mutter eines kleines Jungen, meines Sohnes Samuel, und plötzlich dachte ich über manche Dinge ganz anders. Samuel schlief lange nicht in seinem Bettchen und auch heute liegt er oft genug zwischen uns, wir drei auf 1,40m gequetscht. In die Kita wird er ganz sicher auch im zweiten Lebensjahr nicht gehen und zu Mittag gibt es Dinge wie Hirse, Zucchinitaler und Polenta-Gemüse-Sticks. Ziemlich anders als geplant, was? Ja, durch meine Mutterrolle habe ich mich sehr verändert. Vielleicht so sehr, dass einige alte Freundschaften dadurch zerbrochen sind. Aber das ist okay, so spielt das Leben. Doch es gibt eine Sache, die meine Denkweise ganz nachhaltig geprägt hat: unsere Reise nach Südostasien, nach Thailand.

Vielleicht liegt es ein bisschen daran, dass ich mir vorher die Finger wund gegooglet habe auf der Suche nach schönen, naturbelassenen und idyllischen Orten, nach Familien, die ebenso weit gereist sind und dass ich dabei auf Elternpaare gestoßen bin, die einen für mich plötzlich sehr interessanten Lebensstil pflegten. Erst war ich skeptisch. Freies Lernen, Windelfrei, eine Geburt im Golf von Thailand, all das hielt ich für verrückt, für Spinnereien. Da waren Familienbett und Öko-Essen noch eher harmlos gegen.

Jetzt, nachdem ich mich lange mit diesen Themen auseinander gesetzt habe und ich nicht mehr nur interessiert daran bin, sondern dies alles sogar für erstrebenswert halte, fühle ich fast ein bisschen Schamesröte in meinen Wangen. Viel zu früh habe ich geurteilt und viel zu früh meinem Begriff Öko eine negative Note verliehen. Denn all diese Dinge haben doch eins gemeinsam: sie führen uns zurück zu den Ursprüngen unseres Daseins. Sie schenken uns Vertrauen in uns selbst und unseren Körper, indem wir der Natur wieder mehr Spielraum lassen. Wenn wir das Familienbett praktizieren, geben wir unseren Kindern sehr viel mehr Liebe und Geborgenheit – vor allem dann, wenn sie vielleicht gerade eine Phase haben, in der sie eher schlecht schlafen. Windelfrei gibt uns die Möglichkeit eine noch viel engere Bindung mit unseren Kindern aufzubauen und mit ihm auf ganz besondere Weise in Kontakt zu treten. Durch freies Lernen werden die Kinder nicht vom System Schule unterjocht und eine Hausgeburt gibt uns die Möglichkeit, auf unseren Körper zu hören und ganz bei uns zu sein, in einer vertrauten Umgebung, während wir ein neues Leben in die Welt setzen. All das sind Dinge, die vor gar nicht all zu langer Zeit völlig normal waren.

Aber warum eigentlich werden diese Lebenseinstellungen von einigen Teilen der Gesellschaft für abnormal gehalten und abgewiesen? Vielleicht, weil wir es gewohnt sind, klare Grenzen zu haben, die unser Leben in den richtigen Bahnen hält. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und daher sind uns neue Dinge suspekt und befremdlich. Aber das sollten sie nicht sein, denn sie öffen uns so viele neue Möglichkeiten.

Und plötzlich kann ich all die verrückten Familien verstehen. Plötzlich kann ich mir selbst sogar eine Hausgeburt vorstellen. Viel eher sogar, als noch mal ein Kind in einer Klinik zu gebären. Mir scheint, als hätte die Reise sehr viel in mir verändert. Die Vorbereitung unserer Reise hat viele Dinge in mir aufgewühlt und mich mit Fragezeichen zurück gelassen. Aber umso mehr ich während dieses zweimonatigen Trips zu mir selbst fand, desto mehr Antworten fand ich. Unsere Reise war viel mehr als nur Reise nach Thailand. Unsere Reise war eine kurze Reise zu mir selbst. Ich wünsche mir, dass wir Mütter einander nicht mehr mit Unverständnis begegnen, so wie ich es noch vor kurzer Zeit tat, sondern dass wir einander unterstützen. Ich wünsche mir, dass wir die Vorstellung der anderen Mütter akzeptieren und bekräftigend nicken, denn jede von uns geht ihre eigene Reise. Und für jede von uns zählt eine andere Definition von Glück.

Alles Liebe,
eure Jasmin

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. EmmiL sagt:

    Liebe Jasmin,
    ich verfolge deinen Blog gerne und freue mich immer über neue Beiträge.
    Der “Bin ich jetzt Öko” Beitrag hat mich sehr interessiert da auch ich einige Metamorphosen auf dem
    Weg zur Zweifachmama mitgemacht habe;-) Viele Dinge die du schreibst kamen mir sehr bekannt vor, Stichwort: Hirse:-))
    Die Message, dass man die Vorstellungen anderer Mütter akzeptieren und bekräftigen soll anstatt vorschnell über
    “andere Lebensentwürfe” zu urteilen kann ich nur bekräftigen, jedoch widerspricht sich dein Beitrag an diesem Punkt etwas.

    “Wenn wir das Familienbett praktizieren, geben wir unseren Kindern sehr viel mehr Liebe und Geborgenheit ”

    Ich denke nicht, dass man wenn man das Familienbett praktiziert proforma dem Kind mehr Liebe und Geborgenheit gibt wie du schreibst. Jede Mama kennt ihr Baby/ Kind am besten und während das eine Kind lieber in Ruhe im eigenen Bettchen schläft, mag das andere es eben Nasenspitze an Nasenspitze. Wir haben beide Modelle zuhause;-)
    Mein grosses Kind schlief schon als winziges Baby am liebsten eingekuschelt in seiner Wiege und kam bei uns im Bett oder auf dem Arm einfach nicht vollständig zur Ruhe, während wir mir Nummer zwei ab der ersten Nacht engumschlungen im Familienbett schlafen, da es sonst gar keinen Schlaf gibt……..und wir geniessen Beides! Liebe und Geborgenheit geben bedeutet für mich, dass man auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes bestmöglichst eingeht, es gibt da keinen besseren oder schlechteren Weg.

    Herzliche Grüße an die ganze (wachsende) Familie Nimmerland!
    Emily

    1. Liebe Emily, vielen Dank für deine Worte. Ich glaube, ich habe mich vielleicht falsch ausgedrückt in Sachen Familienbett. Ich wollte damit natürlich nicht sagen, dass Kinder, die nicht zwischen Mama und Papa schlafen weniger Liebe bekommen. Unsere Gesellschaft versucht Kinder immer früher zu selbstständigen kleinen Geschöpfen heranzuziehen, was sie einfach manchmal überfordert. An dieser Stelle suchen sie oft die körperliche Nähe und wir als Familie sind bereit, unserem Kind zu geBen, was es braucht. Entgegen allen Familienbettkritikern und entgegen all den Meinungen von außen, dass das Kind ja nun wohl alt genug ist, um allein zu schlafen.

      Ganz liebe Grüße,
      Jasmin

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