Wochenbettimpressionen >> Rosarote weiche Babyblase

Ich sitze hier und weiß nicht, was ich fühlen soll. Vier Wochen ist meine sanfte selbstbestimmte Geburt nun her. In manchen Augenblicken scheint sie mir unendlich weit weg und dann wieder kommt es mir so vor, als sei sie erst gestern gewesen. Als sei es erst ein paar Stunden her, dass ich unseren Sohn das erste Mal in die Arme schloss, in seine allwissenden Augen sah. Und nun liegt er doch tatsächlich seit genau vier Wochen hier und macht schmatzende Babygeräusche. Ein leises Fiepen, ein Räkeln und hin und wieder ein lauter Aufschrei der Empörung, nämlich dann, wenn Mama nicht schnell genug zur Stelle ist, mehr würde nicht vermuten lassen, dass unsere Welt seit vier Wochen Kopf steht. Denn mittlerweile ist hier ein Stück weit der Alltag eingekehrt. Und ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, mich freuen oder grämen, dass der erste Babyzauber schon dahin zu sein scheint. Weg geflogen über die Baumwipfel im Vorgarten und hoch hinaus zu den watteweichen Wolken.

Da ist nicht mehr diese süße rosa liebliche Babyblase vom Anfang, dahin sind die vielen Kuschelstunden im warmen Familienbett und weg die turbulenten Gefühle der Geburtsreise. Jetzt ist da Alltag. Nicht weniger schön, aber eben anders. Anstrengender, turbulenter, bunter, lauter.

Wir sind jetzt vier. Jeden Morgen wird mir wieder bewusst, wie sehr ich mich auf diesen Moment gefreut habe und wie dankbar ich bin. Aber ich bin auch müde und erschöpft. Die schlaflosen Nächte tragen die Früchte von dunklen Ringen unter meinen Augen. Wie oft denke ich mir morgens, dass ich mir heute wirklich einen Mittagschlaf gönnen werde. Für mich, für meine müden Augen und den erschöpften Körper. Und dann hat das Baby Bauchweh, Oma ruft an oder… ach ihr kennt das sicherlich.
Mittlerweile geht Niklas auch wieder arbeiten und ich bin allein mit beiden Kindern. Nicht die ganze Woche, nein. Aber es gibt diese Tage. Da stehe ich morgens mit beiden Kindern auf und versuche nicht im Chaos zu versinken. Zähne putzen, Brote schmieren, anziehen (natürlich in umgekehrter Reihenfolge). Mittagessen kochen, draußen toben, Liebe verteilen.

Ja, Alltag heißt hier auch, dass ich das Bett verlassen habe. Fast drei ganze Wochen verbrachte ich mit kuscheln, Wärme und Familienzauber im Bett aber dann zog es mich raus. Ich wollte Frischluft, Tapetenwechsel, mich frei fühlen. Ohne Decke bis zum Bauchnabel. Der erste Spaziergang war noch zaghaft, aber jeden Tag tragen mich meine Beine ein Stück weiter, jeden Tag genieße ich es mehr, mal raus zu kommen aus unserer kleinen Stadtwohnung. Ich genieße das saftige Grün im Park, die Sonne auf meiner Haut und die Wärme, die mich rund herum erfüllt.
Und ich denke zurück an die ersten Wochen. Denke an meine Hebamme, die bereits nicht mehr zu uns kommt. Ein bisschen Wehmut ist da schon in meinem Herzen, ich mochte sie sehr. Ich bin dankbar, dass sie mich durch meine Schwangerschaft und Geburt begleitet hat. Ja, ich denke gern zurück an die ersten Wochen mit unserem Mio. Wünsche mir so oft die ersten Stunden zurück. Blicke aber gleichzeitig voller Vorfreude auf die Zukunft. Auf das, was da noch kommen mag.

Ich sehe meinen Großen an, der eigentlich noch so klein ist und bewundere ihn für seine Geduld. Für sein Verständnis. Mit seinen nicht mal zwei Jahren hat er seinen Bruder ganz tief in sein Herz geschlossen, liebt ihn, streichelt ihn, küsst ihn. Jedes Mal geht mir mein Herz auf, wenn ich sehe, wie liebevoll er mit dem zerbrechlichen kleinen Mio umgeht. Überhaut macht Samuel das alles ganz wunderbar. Oft merke ich, dass ich darüber nachdenke, ob wir ihm vielleicht doch etwas viel zugemutet haben. Aus einem Mittagschläfchen wurden wieder zwei, die Nächte sind teilweise etwas unruhig und Samuel macht oft ganz viel Quatsch – auf den Lippen immer ein schelmisches Grinsen. Aber dann sehe ich mir die beiden an und weiß, dass es niemals einen richtigen Zeitpunkt für Geschwisterkinder gibt. Dass die Ankunft eines Babys immer aufregend ist und dass wir alles richtig machen. Ja, wenn ich in mich horche, weiß ich, dass ich schon ziemlich glücklich bin.

Alles Liebe,
eure Jasmin

 

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