Der 1. April wird uns wohl immer als Schreckenstag in Erinnerung bleiben. Nein, nicht aufgrund eines blöden Aprilscherzes – schön wäre es, wenn lediglich das der Grund dafür wäre, sondern aufgrund eines tragischen Unfalls mit unserem damals 7,5 Monate alten Sohn. Er verbrühte sich mit kochend heißem Wasser. Deshalb möchte ich heute über Verbrühungen bei Kindern aufklären. Ich möchte zeigen, wie schlimm ein solcher Unfall ist und wie schnell er passieren kann. Und natürlich auch darauf aufmerksam machen, wie man im Notfall Erste Hilfe leistet.

Verbrühungen bei Kindern

Verbrühungen mit heißem Wasser sind absolut keine Seltenheit im Kindesalter. Nein, Verbrühungen bei Kindern gehören sogar zu den häufigsten Unfallursachen und noch viel schlimmer: sie sind oft lebensbedrohlich! Deshalb ist es umso wichtiger, solchen tragischen Unfällen vorzubeugen. In unserem Fall war an die Situation absolut unvermeidbar, wir waren nicht unachtsam oder fahrlässig. Wir konnten nicht wissen, dass die Teekanne mit dem kochend heißen Wasser explodieren würde. Aber in vielen Fällen kann man vorbeugen, wenn man sich der Gefahrenzonen bewusst ist.
Wenn du ein heißes Getränk zu dir nimmst, Tee, Kaffee, Kakao, dann nimm dein Kind bitte nicht auf den Schoß. Ebenso nicht, wenn du etwas mit heißer Suppe oder Sauce isst, denn dabei passieren so viele Unfälle, weil das Kind nach der Tasse oder Schüssel greift.Wenn du mit heißen Speisen hantierst, oder den Tisch deckst, dann sorge dafür, dass die Kinder dir nicht in den Weg laufen können. Lass auch niemals einen Topf auf dem Herd oder eine Tasse unbeaufsichtigt, solange die Flüssigkeit noch heiß ist. Am besten dreht man bei Pfannen den Stil nach hinten und bringt ein Schutzgitter am Herd an, so dass der Nachwuchs auch nicht auf die Herdplatte fassen kann.

Wenn du heißes Badewasser einlässt, kontrolliere immer die Temperatur, bevor du dein Kind hineinsetzt.

Die meisten Gefahrenquellen lassen sich durch Achtsamkeit eliminieren, durch einen bewussten Umgang ausschalten.

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Warum sind Verbrennungen und Verbrühungen eigentlich so gefährlich?

Abgesehen davon, dass dies Art von Verletzungen äußerst schmerzhaft sind, kann eine Verbrühung oder Verbrennung auch lebensgefährlich sein, denn sie können Schock, Kreislauf- sowie Atemprobleme verursachen. Es kommt dabei auf den Grad der Verletzung an und die betroffene Hautfläche. Bei Kindern ist bereits eine Hautfläche von nur 10% absolut lebensbedrohlich – das entspricht übrigens in etwa der Fläche eines Armes oder eines Beines.

Ist die Haut zu sehr verletzt, kann diese sich nicht regenerieren und stirbt ab. Bilden sich also Blasen oder löst sich die Haut, sollte man unbedingt sofort einen Rettungsdienst rufen, gegebenenfalls vorsichtig die Kleidung entfernen und das Kind in etwas Sauberes einpacken, das nicht fusselt, da es schnell friert und auskühlt. Genaue Rettungsmaßnahmen kannst du bei einem Erste-Hilfe Kurs erfragen.

Therapiemaßnahmen

Die Therapiemaßnahmen nach einem solchen Unfall sind immer vom jeweiligen Fall abhängig. Bei Samuel waren damals Hautstellen vom Scheitel abwärts bis unterhalb des Schulterblattes verbrüht – glücklicherweise ein großer Teil davon mit einem Schweregrad von 2a und 2b und nur ein kleiner Teil mit Verbrühungsgrad 3.
Im Krankenhaus wurde damals die verbrühte Haut abgelöst, Samuel wurde dafür betäubt. Die Mediziner mussten beurteilen, welche Stellen eventuell von alleine wieder zuwachsen und wo so schwere Verbrennungen vorliegen, dass Haut transplantiert werden muss. Ein Schock für uns – damit hatten wir nicht gerechnet.

Oft müssen Kinder nach einer solchen Verletzung auch über Jahre Kompressionsanzüge tragen, um die Narbenbildung gering zu halten und es muss täglich mehrmals mit einer Salbe gecremet werden. In der Sonne ist ab sofort allerhöchste Vorsicht geboten, denn die neue Haut ist viel empfindlicher.

Unsere Therapie

Es folgten nach Samuels Unfall mehrere Operationen in Vollnarkose, um den Verband zu wechseln und wir erhielten die Diagnose: eine Hauttransplantation wäre sinnvoll. (Detaillierter könnt ihr alles hier nachlesen.) Die Vollnarkose war schwer für uns zu verkraften, Samuel war noch so klein, aber es musste sein. Denn zum einen ist der Verbandswechsel sehr schmerzhaft, zum anderen muss das Kind absolut still liegen bleiben, sonst reißt die frisch angewachsene Haut beim Verbandswechsel durch plötzliche Bewegungen wieder ab.

Nach mehreren solchen OP-Verbandswechseln entschieden wir uns gegen eine Transplantation, da dies weitere OPs in Vollnarkose und einen langen Aufenthalt auf Intensivstation mit sich gebracht hätte. Die zu transplantierenden Stellen waren so klein, dass wir eine Narbenbildung in Kauf nahmen, um weitere Strapazen zu minimieren. So wurden wir schließlich mit einem bandagierten Kind entlassen, mit dem wir alle paar Tage zum Verbandswechsel in die Klinik mussten. Die Wunden heilten gut und es war keine Narkose mehr für den Verbandswechsel notwendig. Großes Glück!

Und heute?

Der Unfall ist nun genau zwei Jahre her. Zwei Jahre, seit wir die Klinik verließen. Zwei Jahre, in denen wir regelmäßig Samuels Hautstellen mit Creme versorgen und ganz pinibel auf Sonnenschutz achten. Heute sieht man kaum noch etwas von diesem schweren Unfall, nur zwei kleine Narben sind geblieben, dort wo wir hätten transplantieren sollen. Kaum erahnbar, dennoch da. Aber das ist nicht schlimm. Wir hatten wahnsinniges Glück und sind einfach nur dankbar, einen so gesunden Wirbelwind hier bei uns zu haben!

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Wir sind euch dankbar, wenn ihr den Artikel teilt, um andere Eltern darauf aufmerksam zu machen, wie gefährlich eine solche Verletzung sein kann.

Alles Liebe,
eure Jasmin

 

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