Zwischen pauken und Pampers – Studieren mit Baby.

Puh, es ist jetzt Anfang April und endlich sind Semesterferien. Okay, eigentlich seit Mitte Februar schon. Semesterferien? Moment, das ist doch das falsche Wort. Es heißt vorlesungsfreie Zeit, weil nämlich trotzdem Prüfungen stattfinden und man womöglich schon Bücher und Bücher und noch mehr Bücher fürs kommende Semester lesen muss – ein(e) gute(r) Student(in) ist ja vorbereitet, ne?

Aber dann sind da noch Windeln, die gewechselt, Brei der gefüttert, Tränen, die getrocknet, Wäsche, die gewaschen und Freundschaften, die gepflegt werden wollen. Nicht, dass ich nicht auch ohne den ganzen Kram wie putzen und waschen leben könnte, aber mein Mann steigt mir sonst womöglich aufs Dach, wenn ich’s nicht erledige. (Im Gegenzug hilft er auch fleißig!)

So oder so ähnlich muss ich im April gedacht haben. Mittlerweile ist es schon Mitte Mai und das 2. Mastersemester hat bereits längst angefangen und ich bin schon wieder total im Brass. Lernen, lesen, Seminare vorbereiten etc.

Rückblickend kann ich sagen, dass mich dieses Anders, dieses Studieren mit Kind, verändert hat. Ich bin reifer geworden. Erwachsener. Überlegter. Und vor allem organisierter! Denn ohne Organisation klappt es einfach nicht, vor allem nicht, wenn du Stilldemenz hoch mijon hast! Also wenn in den letzten Monaten jemand fragte, ob ich Zeit für nen Kaffee habe, konnte ich nicht mehr die altbekannte Spontanität an den Tag legen. Stattdessen hieß es I have to check my agenda. Yay. Naja, auch daran gewöhnt man sich.
In die Uni bin ich wieder gegangen, als mein Sohn gerade 6 Wochen alt war. Ob es geklappt hat? Meistens. Ob ich es wieder so machen würde? Definitiv.

Aber mit der Erfahrung jetzt würde ich nicht ganz so blauäugig an die Sache ran gehen. Klar, es hat alles super geklappt, aber ich hatte auch ein sehr schläfriges und wenn-ich-wach-bin-bin-ich-ein-zufriedenes-Baby-Baby. Das ist ja leider nicht allen Neumamas vergönnt. Vielleicht hat aber gerade diese Zuversicht, dass alles gut gehen wird, ein bisschen geholfen und mein Baby so werden lassen, wie es ist. Trotzdem. Wenn ich es nochmal so machen würde, würde ich mir vorher einen Notfallplan überlegen für den Fall, dass es nicht so gut klappt. Und ich würde vorher mit den Dozenten sprechen, ob es okay ist, wenn ich mein Baby mitbringe, um nicht hormonduselig doofen Kommentaren ausgesetzt zu sein, die mich möglicherweise zum Weinen bringen oder einschüchtern (Nein, ich bin nicht immer tough!).

Bei einer geplanten Schwangerschaft (wie meine erste) würde ich auch immer langfristig über einen Plan nachdenken. Wir haben uns immer gesagt, dass unser Kind dann mit 1 eben in eine KiTa geht. Jetzt kann ich mir das kaum noch vorstellen und möchte mein Studium anders gestalten. Für mein Kind da sein und gleichzeitig studieren. Aber auch das wird irgendwie funktionieren. Hoffentlich.
Was mir geholfen hat, war vor allem mein Ehrgeiz. Ich wollte allen zeigen, dass ich mein Studium auch mit Kind gut meistern kann, gerade weil die Schwangerschaft ja geplant war. Also hab ich Gas gegeben und mich dahinter geklemmt. Früher hab ich kaum gelernt. Aber jetzt, wo ich teilweise in Sitzungen nur zur Hälfte anwesend war (weil das Baby brabbelte und ich den Raum verlassen habe), musste ich eben den Stoff zu Hause nacharbeiten. Das war aufgrund des hohen Anspruches nicht immer leicht und es gab viele Momente, in denen ich am liebsten alles hin geschmissen hätte und in welchen ich mein Skript wütend weggepackt habe und ins Bett gegangen bin. Aber das darf vorkommen, habe ich mir immer wieder gesagt. Ist jetzt eben nicht mehr so easy, wie noch vor einem Jahr.

Gegen Ende des Semesters habe ich mich immer mehr mit dem Gedanken angefreundet, Samuel bei seinem Vater zu lassen, während ich in der Uni war. Irgendwann kam dann der Tag und auch das hat gut funktioniert. Wenn ich ehrlich bin, war es für mich wohl von allen Beteiligten das schwerste. Ich wollte mein Baby bei mir haben. Aber auch dieser Lernprozess hat mich weiter gebracht. Ich kann jetzt auch mal loslassen. Wenigstens für einen kleinen Moment.

In den Semesterferien…äh der vorlesungsfreien Zeit habe ich mich viel mit Freunden getroffen, mit Samuel gespielt und ganz organisiert für meine Prüfungen gelernt – mit viel Vorlauf und viel Geduld mit dem Baby und mir, wenn ich mal nicht wie gepant dazu kam, die Bücher aufzuschlagen.

Die größte Hürde war es, mich mit meinem Mann für das kommende Semester abzusprechen, so dass immer einer bei Samuel ist und ich nicht zu lange von zu hause weg bin, da Samuel immer noch voll gestillt wird (er ist jetzt 9 Monate alt – zu Beginn des Semesters 7,5 Monate). Wir mussten versuchen, zwei Vorlesungspläne und den Nebenjob gut zu organisieren. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden, wie es klappt!

Gerne dürft ihr mir in den Kommentaren schreiben, wie ihr euer Studium organisiert, wenn ihr schon Kinder habt.
Bis dahin alles Liebe,

eure Jasmin

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