Wohin mit dem Geschwisterkind bei Geburt?

Je näher die Geburt unseres zweiten Kindes rückt, desto häufiger wird mir die Frage danach gestellt, was mit unserem Großen passiert, wenn es denn mit der Geburt los geht. Dem Großen – damit ist unser Samuel gemeint, der gerade einmal gut 1 1/2 Jahre alt ist und für mich damit gar nicht groß. Nein, eigentlich ist er selbst noch mein Baby und ich habe mir schon früh Gedanken darum gemacht, wo er sein soll, wenn die Geburt bei mir einsetzt. Ganz schnell war mir klar, dass ich mir wünsche, dass Samuel bei uns zu Hause bleiben darf – dem Ort, an dem auch unser Baby geboren werden soll.

Foto von Esther Mauersberger

Mein Wunsch Samuel bei der Geburt seines Geschwisterchens dabei haben zu wollen, hat verschiedene Gründe. Samuel wurde bislang nur stundenweise von seiner Oma betreut. Sie haben dann gemeinsam etwas unternommen und ich hatte eine kleine Auszeit ganz für mich. Aber für mich würde es sich nicht richtig anfühlen, ihn plötzlich für einen ganzen Tag oder sogar über eine ganze Nacht fremdbetreuen zu lassen. Der Moment der Geburt scheint mir dafür einfach unpassend, denn wie ist es für ein Kind, wenn es (überstürzt) irgendwohin muss, weil Mama und Papa ins Krankenhaus fahren oder eben Zuhause bleiben und es weggeschickt wird. Letzteres dürfte für ein Kind gewiss noch unverständlicher sein, denn: warum muss es weg? Und dann würde er vielleicht sogar seine erste Nacht ganz ohne Mama oder Papa verbringen müssen – nein, das kann ich mir nicht vorstellen.
Ich glaube auch für Samuel wäre es komisch, würden wir ihn wegschicken und wenn er zurückkäme, wäre da plötzlich ein Neugeborenes – das Baby aus Mamas Bauch, auf das er so so lange gewartet hat. Er würde wahrscheinlich den Zusammenhang gar nicht verstehen. Deshalb habe ich mich ganz intensiv mit dem Thema befasst und mir mehrere Meinungen eingeholt. Natürlich lässt sich eine solche Entscheidung nicht pauschalisieren, sondern hängt immer von mehreren Faktoren ab.

Für mich habe ich mir deshalb folgende Fragen gestellt:
1. die Frage nach dem Geburtsort. Zu Hause ist der Rahmen für das große Kind ein vertrauter und es kann sich ganz nach Belieben zurückziehen.
2. kann ich mir vorstellen, dass das große Kind anwesend ist, während ich gegebenenfalls töne oder erschöpft bin?
3. kann Samuel davon Schaden tragen?

Mit der Geburt eines Babys ist nicht nur für die Eltern plötzlich alles neu, sondern auch für die Geschwisterkinder. Die gesamte Familienkonstellation verändert sich und jeder muss zunächst lernen, mit seiner neuen Position innerhalb der Familie umzugehen.  Der Moment der Geburt ist dabei ein Schlüsselerlebnis und in meinen Augen ganz besonders magisch. Vor allem aber eins: ganz natürlich. Ich denke, dass viele Ängste das Thema Geburt betreffend von der Gesellschaft geschürt werden. Kinder sind im Herzen aber noch rein und völlig ohne Vorbehalte neuen Erlebnissen gegenüber. Sie kennen nichts negatives im Zusammenhang mit Geburt oder einem Neugeborenen. Und eine Geburt hat ja normalerweise auch nichts beängstigendes. Bei einer Hausgeburt befindet man sich meist ganz intim mit der engsten Familie in einem Raum, einem Raum, den das Kind gut kennt – vielleicht das Wohn- oder Badezimmer. Die Geburt ist im häuslichen Umfeld meiner Meinung nach daher eher schön und ruhig als dramatisch.

Als ich meine Hebamme um ihre Meinung bat, meinte sie, dass Kinder ganz wunderbar für sich sorgen oder sich selbst beschäftigen können, wenn man sie lässt. Sie muten sich selbst nur das zu was sie auch verkraften können. Manche verschlafen einfach die Geburt, manche ziehen sich in ihr Zimmer zurück und andere sind mit im Pool und voll dabei. Eine Kinderpsychologin bestätigte mir diese Aussage und sagte, dass man dem Kind lediglich die Wahl lassen solle, ob es dabei sein mag oder nicht. Die Tür soll beispielsweise unverschlossen sein, so dass das Kind jederzeit gehen und (wieder)kommen kann, wenn ihm danach ist.
Ich bin mir daher nun sicher, dass selbst ein so kleines Kind wie unser Samuel sehr gut weiß, was ihm gut tut und was nicht. Wenn wir beispielsweise etwas unternehmen und ihm zu viele Menschen da sind oder ihm die Situation nicht ganz gefällt, zieht er sich automatisch zurück. Ich denke, genau das würde auch bei der Geburt passieren, wenn ihm etwas zu viel wird.

Natürlich weiß man nie, wie eine Geburt sein wird. Werde ich besonders laut sein? Vielleicht unter den Schmerzen leiden? Oder werde ich alles ganz prima hinbekommen? Das kann keiner sagen. Wenn ich mich unter der Geburt von Samuel abgelenkt fühle oder ihn unerwartet doch nicht um mich haben mag, werde ich das ganz vorsichtig an ihn kommunizieren. Samuel ist recht feinfühlig und wenn ich beispielsweise krank bin automatisch besonders rücksichtsvoll – ich bin mir sicher, dass er es auch in dieser Situation verstehen würde. Daher haben wir uns für die anstehende Geburt eine enge Vertraute von Samuel, seine Patentante und meine enge Freundin zur Seite geholt. Diese kann ich jederzeit anrufen (und sie wird auch hoffentlich meinen Anruf beantworten) und darum bitten zu kommen. Sie wird also da sein, wenn es los geht und als Bezugsperson für Samuel fungieren. So kann Niklas sich um mich kümmern und meine Freundin sich um Samuel. Wir brauchen uns keine Gedanken darum zu machen, ob er müde ist oder Hunger hat, denn das wird sie übernehmen. Wenn Samuel bei uns im Raum sein will, wird sie sich im Hintergrund halten und wenn er lieber etwas spielen will, hat er eine vertraute Person, die ihn betreut – aber eben alles in unserer Nähe und so, dass er jederzeit zurück kommen kann.

Ich werde außerdem eine Tasche für den äußersten Notfall packen, so dass Samuel als letzte Option doch das Haus verlassen und wo anders nächtigen kann. Wie ich aber ja bereits erklärt habe, möchten wir das eigentlich nicht. Trotzdem möchten wir auch für den Ernstfall gewappnet sein und das Nötigste parat haben, denn in der Hektik noch Sachen für Samuel zusammenzusuchen möchte ich uns allen ersparen.

Ich gebe zu, dass unser Vorhaben im Familienkreis eher sauer aufstößt. Vor allem Samuels Großeltern sind besorgt, dass er ein Trauma von der Geburt davon tragen könnte. Ich denke ihre Angst rührt vor allem von ihren erlebten Geburten und dem Bild, was die Gesellschaft durch die Medien von Geburten hat. Frauen mit angsterfüllten Gesichtern schreien und weinen vor Schmerzen, wenn das Kind kommt. Aber so muss es nicht sein, davon bin ich überzeugt.
Niklas und ich sind uns vor allem in einer Sache einig: dass wir unseren Sohn sehr gut kennen und immer in seinem Sinne handeln werden.

Wie ist das bei euch? Könntet ihr euch vorstellen, das Geschwisterkind bei der Geburt dabei zu haben? Seht ihr darin ein Risiko oder eher eine Chance? Schreibt mir eure Meinung gerne in die Kommentare unter diesem Beitrag. Eure Meinung interessiert mich wirklich sehr!

Ich füge euch Videos von Hasugeburten bei, bei welchen Geschwisterkinder anwesend waren.

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Alles Liebe,
eure Jasmin

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