Babys Ernährung

In der Schwangerschaft macht man sich kaum Gedanken um Babys Ernährung, denn es bekommt was es braucht durch die Nabelschnur. Natürlich, man achtet im besten Fall auf die eigene Ernährung. Ausgewogen und gesund. Nicht zu viel Süßkram, denn man möchte ja keine unnötigen Pfunde zunehmen (Oder man nutzt die Schwangerschaft als Ausrede endlich mal genau das essen zu können, auf was man Lust hat. Man isst ja schließlich „für zwei“). Dann ist die Schwangerschaft um und man hält plötzlich dieses kleine Wesen in den Armen und versucht, all die Bedürfnisse zu befriedigen. Man stillt vielleicht (so habe ich es gemacht), oder gibt die Flasche (was ich keinesfalls verurteile, denn jede Mama möchte ja schließlich das Beste für ihr Kind und hat somit Gründe nicht zu stillen).
Aber irgendwann kommt dieser Zeitpunkt, an dem die Muttermilch durch andere Nahrung ersetzt werden soll. Und wie so oft steht man dann vor einem Berg an Informationen, Meinungen was richtig und falsch sei, Erfahrungswerten anderer Mütter und Ernährungsratgebern. Hier ein paar Auszüge:

„Also wir haben unserer Kleinen schon mit drei Monaten Brei gegeben, sie hat es geliebt!“
„Brei gibt man frühestens im fünften Lebensmonat, wenn der Magen-Darm-Trakt weit genug ausgebildet ist!“
„Du darfst immer nur eine Sorte Gemüse auf einmal einführen und gib ja nicht Obst als erstes, sonst isst dein Kind kein Gemüse mehr!“
„Also wir machen BLW und sind glücklich damit! (Hä? Was ist BLW? Google spuckt hier baby-led- weaning aus – das Baby erkundet sozusagen Nahrung selbst, früher hätte man vielleicht gesagt „Das Baby isst am Tisch mit!“)“
„Du kannst auch ein Jahr voll stillen – schadet deinem Baby nicht.“

Und in diesem ganzen Urwald soll man sich dann zurecht finden und seinem Kind das geben was „richtig“ ist. Aber was soll das denn sein? Gibt es überhaupt ein „richtig“ und ein „falsch“? Auch ich war sichtlich mit all den Informationen überfordert. Kürzlich habe ich deshalb einen Vortrag zur Beikosteinführung von Edith Gätjen, der Autorin von „Lotta lernt essen“, besucht.
Ich möchte hier gar nicht näher auf die Inhalte des Vortrages eingehen (wen es interessiert, kann sich ja das Buch kaufen oder einen Vortrag von ihr besuchen), aber ich kann empfehlen, einen solchen Vortrag zu besuchen und alle Fragen zu stellen, die man hat. Für uns Eltern ist der Urwald dadurch etwas lichter geworden, auch wenn wir immer noch nicht mit Sicherheit sagen können, wie wir es machen werden.
Ein bisschen Einblick in unsere Gedanken kann ich euch trotzdem geben.

1. Der richtige Zeitpunkt?

Ich habe für mich entschieden, dass ich mich nicht mit der Beikosteinführung an einem bestimmten Alter orientieren will. Viel mehr möchte ich einen Zeitpunkt wählen, an dem sowohl mein Kind als auch ichdafür bereit sind.
Wenn ich lieber stillen möchte und mich unwohl mit dem Gedanken fühle, ihm etwas anderes zu geben, dann tue ich mir wohl keinen Gefallen damit, Brei zu geben. Andersherum: wenn Samuel lieber gestillt werden möchte, dann möchte ich ihm keinen Brei oder andere Kost aufzwingen. Schließlich wird mit der Beikosteinführung der Meilenstein für das zukünftige Essverhalten gelegt. Wenn das Kind also gezwungen wird, etwas anderes zu essen, dann erachte ich das nicht für richtig.

Deshalb bieten wir Samuel seit ca 2 Wochen ab und an ein Stück Obst, Gemüse oder Brot (bislang waren Apfel, Karotte, Paprika, Banane, Mango, Brezel und Brot dabei) an und er darf es in die Hand nehmen und erstmal selbst erkunden, was er da eigentlich in der Hand hält.

Schmeckt lecker!
Ein kleiner Schnullerersatz?
Kann ich das lutschen?

Bislang wusste Samuel damit noch nicht richtig was damit anzufangen und hat es eher befühlt, als sich in den Mund geschoben. Aber ich denke, dass auch das zum essen lernen dazu gehört. Seit ein paar Tagen nimmt er aber auch selbst etwas in den Mund.

Ein skeptischer Blick sagt nicht,
dass ein Kind etwas nicht mag
sonder nur, dass es etwas nicht kennt.
Neben diesen beiden wichtigen Faktoren würde ich ebenfalls darauf achten, dass sich mein Kind nicht mitten in einem Schub befindet oder krank ist, sondern gesund und bereit für die Aufnahme von neuen Eindrücken.

2. Brei oder BLW?

Hier bin ich selbst noch unsicher. Zu Beginn des Themas Beikost habe ich viel über BLW bei anderen Mamas auf der Plattform Instagram gehört bzw. gelesen und dachte mir insgeheim, dass „das wohl so neumodischer Kram“ sei.

Baby Led Weaning (BLW) meint nichts anderes, als dem Baby bei der Beikosteinführung im wahrsten Sinne des Wortes freie Hand zu lassen. Das heißt weg vom Brei und hin zu all dem, was das Kind selbstständig in den Mund stecken und probieren kann. Das Baby führt seine Beikost also ein, in dem es sich selbst füttert. […]Der Begriff „baby led weaning“ bedeutet übersetzt in etwa „vom Baby geführtes Zufüttern“. Dabei steht nicht das Abstillen im Vordergrund, sondern gerade in den ersten Wochen und Monaten das spielerische Entdecken und Erfahren von Nahrung im Vordergrund. (http://www.baby-led-weaning.de)

Jetzt, wo ich mir wünsche länger voll zu stillen als „nur“ die empfohlen 4 – 6 Monate, halte ich BLW gar nicht mehr für eine so blöde Sache, weil bei BLW in der Regel nicht so schnell eine volle Mahlzeit ersetzt werden kann wie bei der Gabe von Brei. Es steht nämlich eher das Erlernen von essen im Vordergrund. Das ist aber nur ein Gedanke von vielen. Ich finde die Idee dahinter für unsere Bedürfnisse gut und tendiere immer mehr dazu, gar keinen Brei zu geben. Aber abschließend haben wir dazu noch keine Entscheidung getroffen.

3. Selbst gekocht oder gekauft?

Diese Frage stellt sich natürlich vorwiegend beim Brei, denn bei BLW muss man ohnehin selbst kochen oder gibt Gemüse und Obst roh in handlichen Stücken in die Hand. Sollten wir mit Brei anfangen, werden wir definitiv selbst kochen. Das hat viele Vorteile.

Einer dabei ist, dass man wirklich ganz genau weiß, was im Brei drin ist (je nachdem wo man Obst, Gemüse und Fleisch kauft weiß man sogar, von welchem Bauernhof die Zutaten kommen) – das bedeutet, dass der Brei frei von sämtlichen Zusätzen wie Aromastoffen, Zucker, Salz, Gewürzen und Bindemitteln ist. Bei Gläschen hingegen hat man immer auch Inhaltsstoffe, die nicht auf den Gläschen ausgewiesen sind (alles unter 1% der Gesamtmenge muss nicht angegeben werden!).

Außerdem würde ich darauf achten, heimisches Obst und Gemüse zu verwenden (also regional, aber dadurch bedingt natürlich auch saisonal), weil darin mehr an sekundären Pflanzenstoffen und weniger Amitrat enthalten ist. Hier kann man, wenn man sich den Gang zum Obst- und Gemüsehändler sparen will, in Städten Obst und Gemüsekisten bestellen und sich nach hause liefern lassen (in Köln zum Beispiel von apfelbacher oder ida)!
Neben diesen drei Punkten beginnen wir jetzt schon, Dinge die uns bei der Ernährung unseres Kindes wichtig sind auch bei unserer Ernährung umzustellen. Wir möchten beispielsweise nicht, dass Samuel später jeden Morgen ein Nutellabrot frühstückt (versteht, glaube ich, jeder) – also werden wir das auch nicht (mehr) tun. Ebenso verfahren wir mit anderen Dingen. Es wird wieder regelmäßiger Fisch zu essen geben und darauf geachtet, jetzt schon jeden Tag viel frisches Obst zu essen. Neuerdings gibt es bei uns auch oft leckere Smoothies!

Denn erstens lebt man dem Nachwuchs ja auch das Essverhalten vor und zweitens erfolgt dann später die Umstellung nicht so abrupt. Wir wünschen uns, damit Samuel einen guten und gesunden Weg zu ebnen und auch uns langfristig gesund und ausgewogen zu ernähren.

In einem kleinen Apfel, da sieht es niedlich aus…
Ich hoffe, dass ihr Spaß beim Lesen hattet und sage „Guten Appetit“!
Bis bald,
eure Jasmin

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