Die Sache mit dem Schnuller...

In einer Sache waren Niklas und ich uns während meiner ersten Schwangerschaft ziemlich sicher: Das Baby bekommt, wenn es dann erst einmal da ist, keinen Schnuller. Zum einen wollte ich gerne stillen, zumindest die ersten sechs Monate, und ich hatte einiges zum Thema Saugverwirrung gelesen, was für mich Grund genug war den Schnuller abzulehnen. Das Kind könnte nicht mehr richtig trinken, unter Saugverwirrung leiden, das waren meine Ängste. Und dann liest man immer wieder, dass ein zu häufiges und langes Schnullern den kleinen weißen Zähnchen schadet, was wir natürlich vermeiden wollten.

Das erste Mal.

Im Krankenhaus legte ich Samuel sehr häufig an, was einen frühen Milcheinschuss zur Folge hatte. Juhu, dachte ich, es klappt also alles. Aber schnell stellte ich fest, dass Samuel ein sehr hohes Saugbedürfnis hatte. Ich versuchte das zu ignorieren und ihn möglichst oft an meine Brust zu lassen. Es wird sich schon alles fügen, dachte ich. Naja und sind wir mal ehrlich, ein hohes Saugbedürfnis ist ja kein Grund zur Panik – eigentlich ist es eher von Vorteil würde ich sagen. Nach ein paar entspannten Tagen zu Hause fiel dann sehr schnell der Nabel ab und die Hebamme gab uns das go zum Baden. Beim nächsten besuch bereiteten wir alles vor, ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich war. Würde Samuel es gut finden? Würde er das warme Wasser genießen? Wir heizten die Wohnung schön warm, legten ein frisches Handtuch bereit und einen kleinen Waschlappen, außerdem hatte ich etwas Muttermilch in einem kleinen Becher aufgefangen. Es würde ein richtiges Kleopatrabad werden.

Die Hebamme kam und zeigte uns, wie wir Samuel halten mussten. Als er ins warme Wasser glitt, war schnell klar, dass er sich vollkommen wohl fühlte und wir sahen, wie sich seine ganzen Muskeln entspannten. Er schloss sogar für einen Moment die Augen und schien mit den Gedanken ganz weit weg zu sein, als würde er sich an die Zeit im Mutterleib erinnern. Ein sehr bewegender und aufregender Moment war das für uns Eltern. Dann war das Bad vorbei und wir wickelten Samuel ins vorgewärmte Handtuch. Das fand er auf einmal gar nicht mehr toll und fing an zu schreien. Ich glaube, es war das allererste Mal, dass wir ihn so schreien hörten. Ich kann mich noch an den verblüfften Gesichtsausdruck von Niklas erinnern und seine erstaunten Worte Wow, der kann ja weinen. Ich dachte bis jetzt, der kann das vielleicht gar nicht. Die Hebamme lachte nur und versicherte uns, dass wir diese Lautstärke bestimmt noch öfter hören würden. Samuel regte sich derweil mächtig auf, hatten wir ihm doch einfach sein warmes Bad weggenommen, das er so sehr genossen hatte. Und wie er sich aufregte. Trotz beruhigender Worte und der Wärmelampe wollte er einfach nicht aufhören zu weinen. Vielleicht war er müde und hungrig oder beides auf einmal. Aber in der Wohnung war es zu kalt, um ihn jetzt einfach so anzulegen – und ich glaube, die Hebamme musste los, wollt nicht eine ganze Stillmahlzeit abwarten um uns die Babypflege zu zeigen. Also fragte sie freundlich, ob sie Samuel einen Schnuller geben dürfe, bis er sich beruhigt hätte. Niklas und ich schauten uns fragend an, stimmten dann aber zu. Wieder einmal ein Moment, in dem wir einfach auf unser Umfeld vertrauten, eine Hebamme muss doch schließlich wissen, was sie tut, oder?

Ich möchte an dieser Stelle klar machen, dass wir unser Hebamme sehr zu schätzen wissen und wir nach und nach ein fast freundschaftliches Verhältnis entwickelt haben. Ich gebe ihr nicht die Schuld, dass Samuel ein Schnullerkind geworden ist, sondern wollte lediglich die Situation schildern, in der er das erste Mal einen Schnuller bekam.

Samuel bekam also das erste Mal einen Schnuller – und war auf der Stelle friedlich. Wir fühlten uns in dem Moment erleichtert, schließlich konnten wir unser Kind beide nicht so weinend da liegen sehen. Unsere Hebamme zeigte uns die Babypflege nach dem Baden und sagte uns, was wir beachten müssten. Als Samuel wieder angezogen war, nahm ich den kleinen müden Kerl in die Arme und begann, ihn zu stillen. Danach kam der Schnuller wieder weg, irgendwo in eine Ecke der Wickelkommode und wir machten nur noch Gebrauch davon, wenn Samuel sich nicht beruhigen ließ, was erstmal super selten vor kam.

Als Einschlafhilfe.

Irgendwann, ich weiß nicht mehr genau, wann das war, machten mich die schlaflosen Nächte völlig verrückt. Durch das hohe Saugbedürfnis legte ich Samuel nachts so oft an, dass ich selbst kaum noch ein Auge zu tat. Ich schlief nicht mehr, war tagsüber müde und abgeschlagen. Aber mein Kind war glücklich. Irgendwann schlug einer von uns, ich kann mich nicht mal mehr erinnern, ob es Niklas oder ich selbst war, den Schnuller nachts im Bett liegen zu haben und bei Bedarf zu geben. Ich war zunächst ein wenig traurig über unsere Entscheidung, hatte das Gefühl nicht konsequent zu sein und versagt zu haben. Aber nun gut, der Schulli verschaffte mir tatsächlich etwas mehr Schlaf. Wenn Samuel aufwachte, obwohl er kurz zuvor getrunken hatte, versuchte ich ihn mit dem Schnuller zum Einschlafen zu bewegen – was erstaunlich gut klappte. Kaum schlief Samuel tief und fest, zogen wir den Schnuller vorsichtig heraus. Nur nicht zu lange schnullern lassen war unsere Devise. Aber irgendwann ließen wir auch das sein. Sollte Samuel doch selbst entscheiden, wann er seinen Schnulli wieder ausspucken mag. Und ich konnte weiter schlafen. Das tat so gut und bald hatte sich mein schlechtes Gewissen in Luft aufgelöst. Komisch, wie schnell so etwas manchmal geht, wenn wir an unsere Grenzen kommen, oder?

Zur Beruhigung.

Irgendwann schlich sich der Schnuller aber auch tagsüber ein. Diese ganze Schnullerthema war bei un sowieso eher ein schleichender Prozess. Das ändert aber natürlich nichts an der jetzigen Situation. Samuel ist ein Schnullerkind durch und durch. Wenn Samuel sich tagsüber weh tat oder einfach knütterig war, wollte ich ihn nicht jedes Mal zur Beruhigung an die Brust lassen. Ich stillte gerne und oft auch häufig – eben nach Bedarf – aber manchmal war mir das Saugen an der Brust zur Beruhigung zu viel des Guten (und manchmal war ich auch einfach gerade nicht da und Papa kann ja schließlich nicht stillen). Das hatte zur Folge, dass Samuel auch tagsüber immer mal wieder den Schnulli bekam. Erst nur selten und dann immer häufiger. Aber zu dem Zeitpunkt war er nicht ständiger Begleiter. Immer wieder wurde der Schnuller weggelegt, auf den altbekannten Platz an der Wickelkommode und bei Bedarf geholt.
Jetzt ist das anders. Ganz anders.

Und wie werden wir das Ding nun wieder los?

Immer wieder ertappe ich mich dabei, Samuel mal eben schnell den Schnuller zu geben, weil es die Situation entschärft. Oder aber er kommt einfach um die Ecke und hat das Ding im Mund. Es ist längst nicht mehr so, dass wir ihm den Schnuller geben, nein er hat eigentlich immer einen dabei (an der Schnullerkette) oder aber weiß, wo er den Schnuller zuletzt abgelegt hat. Das merke ich daran, dass ich die Dinger oft suche, wenn es Schlafenszeit ist und ihn frage Wo ist dein Schnulli? und er dann zielstrebig zum Bällebad läuft, um das Ding zwischen den bunten Bällen herauszufischen. Schlaues Kind! Aber das zeigt mir auch, dass Samuel so ein richtiges Schnullerkind geworden ist. Wenn wir ihn mal zu Hause vergessen (also den Schnuller), dann macht sich direkt leichte Panik breit. Hoffentlich fällt Samuel nicht hin oder wird müde. Mist. Ich gebe aber zu, dass ich auch oft froh bin, diese Geheimwaffe nutzen zu können. Wie viele Freundinnen berichten mir, dass das Kind keinen Schnuller nimmt und sie oft verzweifeln?! Da haben wir es definitiv einfacher.
Langsam kommt aber der Zeitpunkt, an dem ich mich frage, wann und wie wir ihm das Ding wieder abgewöhnen können. Unser Wirbelwind ist zwar erst 1 1/2 und theoretisch haben wir noch etwas Zeit damit. Schließlich sollte der Schnuller bis spätestens zum dritten Geburtstag abgewöhnt werden, weil sich bis dort Gebissschäden wieder zurückbilden – von diesem Alter sind wir noch weit entfernt, ganze 1,5 Jahre. Und trotzdem mache ich mir jetzt bereits Gedanken dazu, ich möchte einfach nicht den richtigen Moment verpassen.

Manchmal, da Schläft Samuel nämlich ohne nuckeln ein und ich denke ha! Jetzt kann das olle Ding aber bald weg! Und dann weint er am nächsten Tag bitterlich  und ich komme direkt mit dem Schnulli (die Zeiten, in denen er sich mit der Brust beruhigen will sind längst passé, die Brust ist für ihn nur noch in Kuschelstunden interessant). Ja, dann ist meist schnell Ruhe und die Situation wieder entspannt. Mist, denke ich dann. Kann der Schnuller wohl doch noch nicht weg.
Ich frage mich sowieso ganz grundsätzlich, ob jetzt, so kurz vor der Geburt des Babys, überhaupt der richtige Zeitpunkt sein kann. Fragen schleichen sich ein. Was, wenn das neue Baby auch einen Schnuller nimmt und Samuel dann traurig ist, er vielleicht wieder einen haben will. Dann war das womöglich stressige Abgewöhnen für die Katz. Genauso könnte es aber positiv verlaufen und es klappt super gut, vielleicht weil wir ihm erklären können, dass das Baby jetzt seine Schnuller braucht.

Ich weiß wirklich nicht, was das Richtige ist und wie wir das angehen sollen. Letztlich finde ich es eigentlich ziemlich blöd, Samuel den Schnuller wegzunehmen. Stattdessen gefällt mir, wie es Julia von Frieda Friedlich gemacht hat – völlig selbstbestimmt hat ihre kleine Fireda nämlich den Schnuller abgegeben. Ich habe das Gefühl, dass dieser Ansatz am besten zu uns passt, so wie Samuel auch selbst entscheiden darf, wann er sich tatsächlich abstillt. Wichtig ist mir lediglich, dass wir uns und Samuel damit keinen zu großen Druck machen. Er sollte schon in der Lage sein, gut ohne Schnuller durch den Tag zu kommen. Trotzdem schwingt die Sorge mit, dass seine Zähne mit der Zeit darunter leiden könnten oder er mit vier noch schnullern will, oder oder oder… Immerhin, wenn Samuel spricht, nimmt er selbstständig den Schnuller aus dem Mund. Ebenso, wenn ich ich auffordere Schnulli raus! Bislang klappt das wirklich prima.

Wann habt ihr euren Minis den Schnuller abgewöhnt und wie? Oder seid ihr vielleicht gerade dabei, ihn abzugewöhnen? Everywhere I go hat auf ihrem Blog ein paar Tipps von sich und anderen BloggerInnen zu diesem Thema gesammelt. Ich bin auf eure Kommentare gespannt!

Alles Liebe,
eure Jasmin

 

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