Das erste Kindergartenjahr ist vorüber. Ein Jahr voller Emotionen, Unsicherheit und Entwicklungssprüngen. Ein Jahr voller Abschiede und Wiedersehen, voller fleckiger Kleidung und Kita-Basteleien. Ich möchte heute auf die vergangenen zwölf Monate zurückblicken und Revue passieren lassen, wie es uns so ergangen ist. Vielleicht habe ich auch noch den ein oder anderen persönlichen Tipp für euch.

(Fast) Unkomplizierte Eingewöhnung

Den 1. August im letzten Jahr habe ich noch zu gut vor Augen. Aufgeregt war ich, vorfreudig. Erwartungsvoll betrat ich zusammen mit dem Mini die Einrichtung. Samuel schüchtern an der Hand. Wir starteten mit der Eingewöhnung, Niklas oder ich waren immer dabei, Mio meistens sowieso, weil er ja gerade erst ein paar Wochen alt war. Für Samuel war der Start zunächst super, trotz, dass er schüchtern war. Er fand schnell Vertrauen zu den Erzieherinnen, löste sich auch immer mal wieder von uns. So gingen wir auch bald dazu über, dass er bis zum Mittagessen bleiben durfte, was auch gut klappte. Samuel mochte gern in der Kita essen, freute sich jeden Tag darauf und genoss es, zwischen den Kindern zu sein. Den Mittagsschlaf machte Samuel aber anfangs dennoch zu Hause, denn er war wirklich sehr erschlagen von den ganzen neuen Eindrücken. So viele neue Kinder, neue Spielsachen, anpassen an die Kitasituation, von Mama getrennt sein – all das ist eine große Umstellung, auch für einen Zweijährigen. Seine Ruhezeiten zu Hause waren lang und sein Schlaf tief. Dann war es soweit und Samuel schlief an einem Tag bereits vor dem Essen ein, weshalb er in der Kita schlafen durfte. Ich wurde dann angerufen, als er aufwachte und wir entschieden alle gemeinsam, dass Samuel in der Kita schlafen darf. Rückblickend glaube ich allerdings, dass wir diesen Schritt zu schnell gingen. Denn bald schon war es morgens sehr schwer für ihn, sich von mir zu trennen und meiner Meinung nach wurden wir beide dabei nicht gut genug begleitet – ich war verunsichert, weil ich einfach trotzdem weggeschickt wurde und Samuel erlebte die Situation als wohl sehr einschneidend. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass neun Kinder gleichzeitig eingewöhnt wurden und daher nicht genügend Zeit blieb, auf jedes Kind ausreichend einzugehen. Jedenfalls war unsere Eingewöhnung somit abgeschlossen – unbefriedigend aber so war es.

das-erste-kindergartenjahr

Zwei Schritte zurück

Im November mochte Samuel plötzlich gar nicht mehr gern in die Kita gehen, davon hatte ich hier und hier auch bereits berichtet. Er äußerte klar und deutlich, dass er lieber bei mir zu Hause sein und mit mir spielen will. Was genau die Ursache dafür war, wissen wir nicht. Wahrscheinlich spielen die doch recht schnelle Eingewöhnung und damit verbundene Trennung von mir eine Rolle, auch dass Baby Mio ja mit mir zu Hause war und Samuel das mitbekam. Und dann gab es wohl auch Probleme mit einem anderen Kind, mit dem Samuel nicht so gut zurecht kam. Überhaupt ist die Kita-Situation für jedes Kind eine Herausforderung, denn dort muss es andere Regeln befolgen als zu Hause, den ganzen Tag kooperieren – und das ist anstrengend. Kein Wunder also, dass unser Samuel lieber bei mir bleiben wollte.
Wir gingen diesbezüglich immer wieder ins Gespräch mit ihm und mit den Erzieherinnen und die Situation besserte sich allmählich zumindest soweit, dass wir uns dagegen entschieden, Samuel aus der Gruppe zu nehmen. Ich war zu diesem Zeitpunkt aufgrund privater Umstände ziemlich unter Strom und konnte es mir nicht vorstellen, beide Kinder zu Hause so zu betreuen, dass ich damit zufrieden war. Wir entschieden uns also für verkürzte Betreuungszeiten und schaften so für Samuel und mich die nötige Entlastung.

Leider hat sich die Bring-Situation bis zum Ende des Kita-Jahres nicht gänzlich gebessert. Bis zuletzt fiel es Samuel schwer, sich von mir zu trennen – manchmal weinte er, aber öfter brauchte er zum Glück nur etwas mehr Zeit, um sich von mir zu verabschieden und so kuschelten wir morgens eine Runde an der Garderobe, bevor er in die Gruppe ging. Mir fiel es nicht leicht, zu sehen, wie sehr Samuel mit sich kämpfte, denn eigentlich wollte er in die Kita gehen. Oft fragte er am Wochenende, ob er in den Kindergarten darf – und wenn er unter der Woche gehen sollte, wollte er lieber bei uns bleiben. Verrückt, oder? Aber das war unter anderem ein Grund, weshalb wir ihn in der Gruppe ließen.
Ich bin sehr gespannt, wie nun die folgenden zwei Monate kitafrei ihm bekommen und wie die Eingewöhnung in die neue Einrichtung im Herbst sich gestalten wird.

Rasante Entwicklung

Entwicklungstechnisch hat sich im letzten Jahr sehr viel bei Samuel getan. Ich weiß noch, wie ich am ersten Tag einen schüchternen kleinen Jungen an der Hand hatte, bei dem ich Sorge hatte, dass er zwischen den anderen Kindern unter gehen würde. Er war still und zurückhaltend und ängstlich. Laute Geräusche, viele Kinder und neue Umgebungen machten ihm sichtlich Angst. Und heute? Heute ist er in vielerlei Hinsicht das komplette Gegenteil.
Samuel ist wohl der größte Quatschkopf in seiner Gruppe, ein Rabakue durch und durch, der gerne testet, wie weit er bei anderen gehen kann. Er ist wild und frech und laut – so laut, dass manchmal nur noch hilft, sich die Ohren zuzuhalten.

Samuel ist ein absoluter Macher, ist gern draußen und weiß sich gut allein zu beschäftigen (in der Kita jedenfalls – zu Hause eher nicht). Wenn ich mir seine Portfolio-Mappe ansehe, ist er der selbe kleine Samuel wie vor einem Jahr und irgendwie auch nicht. Ich glaube, dass sich viel an seinem Selbstbewusstsein getan hat und natürlich hat er sprachlich zwei riesige Sprünge gemacht, einen ca. um den Jahreswechsel und einen vor ca. einem Monat. Seitdem quatscht er sehr viel.
Alles was die Feinmotorik erfordert, meidet Samuel regelrecht, geduldig sein fällt ihm auch eher schwer. Da werde ich jetzt in den Ferien mal ein bisschen versuchen, daran zu feilen. Ich möchte Samuel nicht grundlegend ändern, aber ab und zu ein kleines Puzzle oder ein Brettspiel zur Förderung der Geduld und der Feinmotorik kann ja nicht schaden.

das-erste-kindergartenjahr

Ständig krank?

Wenn man vom ersten Kita-Jahr liest, hört man, dass das Kind vor allem im ersten Jahr sehr sehr oft krank ist. Bei uns war das so gar nicht der Fall. Ich glaube, Samuel hatte zwei Mal einen kurzen Anflug von Magen-Darm und war im Winter natürlich öfter mal erkältet, aber er war fast nie krank gemeldet. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich ihn recht lange gestillt habe, oder ob er generell einfach gute Abwehrkräfte hat. Jedenfalls bin ich dankbar, dass die Läuse und Krätze an uns vorüber gegangen ist, ebenso wie Windpocken.

Zum Abschluss haben wir Samuels Portfoliomappe mit vielen tollen Bildern bekommen, was uns noch mal etwas Aufschluss über das vergangene Jahr gibt. Ich habe mich sehr gefreut, so einen kleinen Einblick in die letzten Monate zu bekommen und werde die Mappe sicher in Samuels Erinnerungsbox aufbewahren.Sicher hat er irgendwann große Freude daran, sie gemeinsam mit uns durchzusehen.

Tipps für den Kindergarten

Abschließend möchte ich noch ein paar nützliche Tipps mit auf den Weg geben. Ich denke, wenn man ein bisschen Erfahrung weitergeben kann, dann kann das nicht schaden.

Wetterfrosch

Einen Wetterfrosch hat wohl niemand zu Hause, aber eine Wetter-App ist auf jedes Handy downloadbar. Ich habe morgens fast täglich das Wetter gecheckt und danach die Kita-Kleidung ausgewählt. Im Winter gilt es, das Kind wirklich wetterfest anzuziehen, denn im Kindergarten wird auch bei schlechtem Wetter draußen gespielt oder wenigstens die Terrassentür offen stehen gelassen. Also haben wir gefütterte Matschhosen, gefütterte Gummistiefel, Fleecejacke und Mütze angezogen, wenn es kalt werden sollte. Im Sommer sollte man das Kind bereits zu Hause eincremen, dann ist es nicht so wild, falls die Erzieher es mal vergessen sollten. Außerdem braucht das Kind natürlich einen Sonnenhut.

Es hilft, wenn man mal selbst in die Räumlichkeiten der Kita geht und schaut, wie warm es ist. Im Winter war es beispielsweise sehr warm überall drinnen, so dass ich Samuel für den Weg die Matschhose über eine dünne Strumpfhose gezogen habe. Die Matschhose haben wir an der Garderobe gelassen für das Freispiel draußen. So musste Samuel in den Räumlichkeiten nicht schwitzen und war trotzdem gut ausgestattet.

Wechselkleidung

Wir haben auch stets für ausreichend Wechselkleidung gesorgt, bei uns hatte dafür jedes Kind ein extra Fach. Darin befanden sich je drei Wechselbodies (lang/kurz), zwei lange Wechselhosen, zwei kurze Hosen, vier T-Shirts und eine Sweatjacke.
Outdoorkleidung hing an der Garderobe, so dass sie das ganze Jahr über verfügbar war. Dazu gehörte eine Fleecejacke, eine Regenjacke, ein Sonnenhut / Wintermütze, Matschhose, Gummistiefel, Halbschuhe und Sandalen.

Ihr seht, dass das eine ganze Menge ist, aber bei uns wurde das wirklich gebraucht. Im Kindergarten gibt es bis auf zu Anfang keine Lätzchen und wenn die Kinder mit Wasser spielen und nass sind, werden sie natürlich umgezogen – und manchmal hält auch die Windel nicht ganz dicht. Daher ist es wichtig, dass im Fach immer ausreichend Kleidung zum Wechseln vorhanden ist. Ich habe dafür Sachen vom Discounter geholt, weil mir Samuels teure Markenkleidung oft zu schade war, um sie vom Kindergarten fleckig und löchrig zurück zu bekommen. Und dann sind auch einige Teile über das Jahr verschwunden, was ich sehr schade finde. Während ich also sonst hauptsächlich Kleidung kaufe, die mir optisch gefällt, muss sie in der Kita praktisch sein. Am besten wählt man Teile aus, die das Kind vielleicht sogar ohne Hilfe anziehen kann – bei den Schuhen ist da Klettverschluss beispielsweise sehr gut.

Kommunikation

Kommunikation ist wichtig und gut. Ich habe gelernt, dass es uns allen hilft, wenn wir morgens kommunizieren, wie das Kind drauf ist. Hat es vielleicht am Vortag (in der Vorwoche? / Wochenende?) viel erlebt, ist daher aufgeregt, durcheinander, erschöpft? Wie war die Nacht? Tut dem Kind etwas weh? Hat es heute vielleicht keine große Lust auf die Kita? Und natürlich auch positive Dinge wahrnehmen und kommunizieren. Dass das Kind großen Spaß an Dinosauriern hat, beispielsweise, oder dass es gern mit der Schere schneidet. Ich bin mir sicher, dass die Erzieher dann auch bemüht sind, diesbezüglich auf das Kind einzugehen.
Und natürlich ist auch Kommunikation unter den Eltern wichtig, so dass man bei Problemen vielleicht gemeinsam auf die Kita- oder Gruppenleitung zugehen kann, vielleicht sogar über den Elternbeirat. Seid also mutig und geht lieber in die Offensive, sprecht eure Sorgen, Ängste und schwierigen Themen an, nur so kann euch geholfen werden.

Wie geht’s weiter?

Wir hatten sehr lange keinen Kita-Platz für Samuel – die Platzknappheit macht sich leider überall bemerkbar. Ganz zufällig zieht ein Kind um und so haben wir im Juli noch ganz kurzfristig einen Platz bekommen. Ab Oktober startet die Eingewöhnung, was für uns bedeutet, dass Samuel nun zwei Monate zu Hause bleibt und von uns betreut wird. Einen Monat davon werden wir als Familie in Indonesien unterwegs sein, weshalb wir nur einen Monat hier in Köln verbringen werden. Im Urlaub mache ich mir eigentlich keine Sorgen, dass Langeweile aufkommen wird. Ich bin schon sehr gespannt, wie gut es mit beiden Kindern zu Hause funktionieren wird und wie sich die Eingewöhnung im Anschluss dann gestaltet.

Alles Liebe
Jasmin

An Freunde senden